Haasinu
Lieber Leser,
Rosch Haschana ist der Beginn des Jahres. An diesem Tag wurden Adam und Eva geschaffen. Obwohl die Schöpfung sechs Tage vor Adam und Eva begann, gilt der sechste Tag als Anfang der Welt, und Rosch Haschana wurde auf diesen Tag gelegt. Denn die Menschheit ist das Zentrum des Universums, und alles andere wurde für sie geschaffen. Nach der Schöpfung des Menschen war die Welt vollendet, und G-ttes Wille war erfüllt.
Rosch Haschana wird „Oberhaupt“ des Jahres genannt, nicht nur „Anfang“ des Jahres. Wie bereits erwähnt, sind die Feiertage die Wiederkehr der ursprünglichen Ereignisse an den betreffenden Tagen. So wie G-tt am Anfang die Erschaffung der Welt beschloss, so wendet er sich ihr an jedem Rosch Haschana mit neuer Kraft zu, mehr denn je zuvor, und das prägt seine Beziehung zur Welt für das ganze kommende Jahr.
So wie ein Haupt das Leben enthält und das Nervenzentrum des Körpers ist, enthält Rosch Haschana das Leben und die Nahrung des ganzen Jahres. Das ist die Bedeutung des Urteils an Rosch Haschana, und darum ist dieses Fest so feierlich. Denn es hängt von unserer „Hinwendung“ zu G-tt ab, was er an Rosch Haschana beschließt: wie er mit uns umgeht und wie er uns segnet und uns gibt, was wir brauchen.
Chag Sameach und Schabbat Schalom
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Rosch Haschana ist der Tag des Gerichts. An ihm wird entschieden, wie das Leben jedes einen im kommenden Jahr ablaufen wird. Rosch ist auch der Geburtstag des ersten Menschen.
„Um den Teufel zu verwirren“ bedeutet also nicht, dass dieser etwa so naiv sei unserer Hinterlist wegen nicht mehr zu wissen, auf welchen Tag genau Rosch Haschana fällt; sondern unser Wohlwollen an den Geboten lässt ihn einfach verstummen, sodass er nichts mehr gegen uns in der Hand hat.
Beim Propheten Jesaja finden wir den Ausspruch „suchet G-tt dann, wenn Er zu finden ist". Die Gelehrten des Talmud erklärten, dass sich dieser Satz auf die „zehn Tage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur" bezieht.
Vor über 800 Jahren lebte in Mainz ein frommer Mann und großer Gelehrter: Rabbi Amnon. Er wurde von Juden und Nichtjuden geliebt und respektiert, und sein Name war weit und breit bekannt.
In unserem Wochenabschnitt veranschaulicht uns die Thora die Bindung zwischen G-tt und dem jüdischen Volk anhand eines Gleichnisses von einem Seil, an dessen einem Ende G-tt festhält und an dem anderen der irdische Mensch.
Unser Leben ist geteilt zwischen Geist und Materie, zwischen dem heiligen und dem Alltäglichen.
Jedes neue Jahr wird eingeleitet durch die Zehn Tage von Tschuwa (Rückkehr), die mit den beiden Tagen von Rosch Haschana beginnen und im Jom Kippur ihren Höhepunkt finden.