Lieber Leser,

die Einteilung unserer wöchentlichen Leseabschnitte der Tora ist eine Tradition, die es schon seit mehr als tausend Jahren in unveränderter Form gibt. Mit diesem von unseren Weisen eingeführten System wird einmal im Jahr die ganze Tora in der Synagoge vorgelesen. Dabei kommt auch den Namen der einzelnen Toraabschnitte besondere Bedeutung zu. Sie sind nicht bloß ein Stichwort, sondern sagen – gleichsam als Überschrift – einiges über den Inhalt unseres Textes aus.

Der Lubawitscher Rebbe hat diesen Zusammenhang anhand mancher Beispiele aufgezeigt, eines davon betrifft den Leseabschnitt dieser Woche „Lech Lecha".

Dieser Titel „Lech Lecha" wird meistens mit „gehe hinaus" (nämlich aus deiner Heimat) übersetzt. Diese Übersetzung bringt zum Ausdruck, dass Abraham aufgefordert wird, sein Heimatland, das Haus seines Vaters, seine vertraute Umgebung zu verlassen, um in ein fremdes, unbekanntes Land zu gehen, das G-tt ihm erst zeigen wird.

Diese an sich korrekte Übersetzung ins Deutsche spiegelt jedoch nicht alle Facetten des hebräischen Originals wider. Wörtlich genommen steht da nicht „gehe hinaus" sondern „Lech Lecha” – „gehe zu dir" oder vielleicht könnten wir auch sagen: „Gehe für dich".

Was soll das heißen? Abraham soll doch von zu Hause weggehen – also gerade nicht „zu sich". Die Antwort lautet: Indem er seine bisherige Umgebung verlässt, hat er die Möglichkeit, zu sich selbst zu finden, kann – zeitgemäß ausgedrückt – sich selbst verwirklichen.

Schabbat Schalom