Acharei-Kedoschim
Lieber Leser,
die berühmteste Lebensweisheit steht in der zweiten Toralesung dieser Woche. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lev. 19:18) ist nicht nur berühmt, sondern klingt auch wie ein Gebot, das kaum einzuhalten ist. Können wir hoffen, jemals so heilig zu werden, dass wir jeden lieben wie uns selbst? Ist die Tora naiv und unrealistisch? Die klassischen Kommentare befassen sich in der Tat mit dieser Frage. Manche meinen, dass wir handeln sollen, als würden wir den anderen lieben – vielleicht lieben wir ihn dann eines Tages wirklich.
Das chassidische Buch Tanja (Kapitel 32) lehrt: Wenn wir körperliche Aspekte beiseite lassen und uns auf das Spirituelle konzentrieren, ist es durchaus möglich, dass wir einander wahrhaft lieben. Unsere kleinlichen Zuneigungen und Abneigungen betreffen ja nur das Körperliche. Wir mögen oder verabscheuen es, wie andere aussehen, reden, sich anziehen, sich benehmen usw. Das alles sind materielle Aspekte. Wenn wir daran denken würden, dass sie oberflächlich, äußerlich und belanglos sind, würden wir sie nicht so ernst nehmen. Wichtig ist das Spirituelle. Das wahre Wesen ist nicht der Körper, sondern die Seele. Die Essenz jedes Individuums ist nicht seine Nase, sondern seine Neschama.
Schabbat Schalom
Woher sollte der frisch befreite Jude wissen, was sein wahres Selbst ist? Wie konnte ein kürzlich befreiter Sklave sein Potenzial verstehen, geschweige denn, wie er es verwirklichen konnte?
Keine Form von Energie ist von Nutzen, wenn es nicht einen Weg gibt, sie zu kanalisieren und nutzbar zu machen. Andernfalls verpufft die Energie einfach.
Die dieswöchige Sidra Kedoschim enthält die berühmte und oft zitierte Vorschrift (Lev. 19, 18): "Liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst." Wir müssen den Nebenmenschen so intensiv lieben, dass wir wenn wir um Hilfe angegangen werden, ganz unwillkürlich und sofort Beistand leisten ...
Im 2. Jahrhundert n.d.Z. starben 24.000 Schüler, die alle bei dem jüdischen Weisen Rabbi Akiwa lernten, durch eine Plage. Das schlimmste an dieser Plage war, dass alle Schüler in einer sehr kurzen Zeit, - von Pessach bis Schawuot - starben.
Die Zeit zwischen Pessach und Schawuot ist durch die "S'fira" gekennzeichnet – das ist der Brauch, die "Omer"-Tage zu zählen. Wir fangen mit diesem Zählen unmittelbar nach dem Tage der Befreiung aus Ägypten an, und wir zählen 49 Tage; am Ende dieser Periode feiern wir Schawuot.