Pessach
Lieber Leser,
wahre Freiheit ist Freiheit von Begrenzungen – äußerlich und innerlich; materiell, psychisch und spirituell. Mizrajim, das hebräische Wort für „Ägypten“, bedeutet „Grenzen“ und „Einschränkungen“. Jeziat Mizrajim („Auszug aus Ägypten“) ist das Bestreben, Grenzen zu überschreiten und sich über alles zu erheben, was die Seele des Menschen hemmt.
Einer der Faktoren, der uns Menschen am stärksten einengt, ist die Zeit. Die Zeit trägt die Vergangenheit fort und verbirgt die Zukunft. Sie begrenzt unser Leben auf einen dahinsausenden Punkt, den wir „Gegenwart“ nennen.
Aber am ersten Pessach-Abend brechen wir die Fesseln der Zeit, denn wir haben die Aufgabe, den Exodus so zu erleben, als wären wir selbst Flüchtlinge aus Ägypten.
Wir denken an den Exodus, fassen ihn mit den Texten der Haggada in Worte, verdauen ihn in Form von Mazzot und Maror. Wenn wir die Jahrhunderte an uns vorbeiziehen lassen, wird die Erinnerung – dieser vage Rest der Vergangenheit, der meist unsere einzige Antwort auf die Tyrannei der Zeit ist – zur Erfahrung, und die Geschichte wird gegenwärtig und real.
Chag sameach und Schabbat Schalom
Am siebten Pessach-Tag vollbrachte G-tt für das jüdische Volk das großartigste Wunder aller Zeiten – die Spaltung des Meeres. Der Midrasch schildert uns den wundersamen Zustand, welcher damals am Meer herrschte: Am Meeresboden gediehen Bäume, welche Früchte hervorbrachten, die bereits gereift waren. ...
Obwohl die westlichen Staaten das Konzept der persönlichen Freiheit schon lange fest in ihren Verfassungen verankert haben, ist es in vielen Ländern der übrigen Welt noch immer keine Selbstverständlichkeit.
Wir feiern eigentlich das Pessach-Fest bereits seit dem ersten Jahrestag des Auszuges aus Ägypten. Als der Ewige angeordnet hatte, das Pessach-Lamm in der Nacht vor dem Auszug zu essen, haben wir diese Mizwa praktisch bereits während des Auszuges schon selbst ausgeführt.
Am Pessach ist es den Juden streng verboten, Sauerteig oder andere gesäuerte Speisen zu essen. Brot wird durch Mazza ersetzt, die nur aus Mehl und Wasser bestehen. Überall auf der Welt nehmen sich Juden am Pessach sehr in acht, dass sie auch nicht das kleinste Krümchen Chamez genießen.
Chol Hamoed (wörtlich: der Wochentag der Festtagswoche") bezeichnet die "Zwischenperiode" der beiden Feste Pessach und Sukkot. Sie sind jene Tage, die zwischen den Anfängen und Enden der heiligen Tage der beiden Feste liegen.
Kann man gleichzeitig spirituell und selbstsüchtig sein? Lassen Sie uns die Worte der Tora betrachten, die diese Frage behandeln.
Wie andere Völker ihre Nationen über Grenzen definieren, definieren wir Juden uns über eine Geschichte in der Zeit. Jede Nuance jüdischer Weisheit kommt in Form dieser Geschichte, alles was wir tun hängt damit zusammen.