Die Tora gibt es in zwei Formen: geschrieben und eingraviert.

Am letzten Tag seines Lebens schrieb Mosche die Tora auf Pergamentrollen nieder. Doch dieser geschriebenen Tora ging eine eingravierte Tora voraus: Vierzig Jahre zuvor, am Berg Sinai, wurde uns das g-ttliche Gesetz in Form der Zehn Gebote offenbart, die von der Hand G‑ttes in zwei Steintafeln eingraviert waren.

Wenn etwas geschrieben wird, bleibt die Substanz der Buchstaben, die es ausdrücken – die Tinte –, eine von der Substanz, auf die sie aufgebracht wurden – dem Pergament –, getrennte Einheit. Dagegen sind in Stein eingravierte Buchstaben in ihn eingeschlagen: Die Worte sind Stein und der Stein ist Worte.

In gleicher Weise gibt es einen Aspekt der Tora, der in unsere Seele „eingeschrieben“ ist: Wir verstehen sie, unsere Gefühle werden durch sie geweckt; sie wird zu unserem „Lebensstil“ und sogar zu unserer „Persönlichkeit“; doch sie bleibt etwas, das zusätzlich zu uns selbst existiert. Es gibt jedoch eine Dimension der Tora, die in unser Wesen eingraviert ist. Es gibt eine Dimension der Tora, die eine Verbindung zu G‑tt zum Ausdruck bringt, die dem Wesen der jüdischen Seele selbst entspricht.