Können die Menschen des 21. Jahrhunderts das Konzept der „Prophezeiung“ verstehen? Wir können vielleicht „Inspiration“ verstehen. Schließlich werden Dichter und Künstler inspiriert. Aber die Prophezeiung liegt jenseits unserer Erfahrung.

Der letzte Vers in der Tora-Lesung dieser Woche gibt uns einen Einblick in das Wesen der Prophezeiung des Mosche. Das Allerheiligste im Heiligtum stellte eine Konzentration der göttlichen Macht dar. Die höchste Intensität lag in den saphirfarbenen Tafeln, auf denen die zehn Gebote eingraviert waren, die Mosche vom Berg Sinai erhalten hatte.

Diese Tafeln wurden in der goldenen Arche aufbewahrt. Oben auf der Lade befanden sich zwei goldene geflügelte Figuren, ein Mann und eine Frau, die sich gegenüberstanden. Die g-ttliche Kraft war irgendwie auf den Punkt zwischen ihnen konzentriert - und von diesem Punkt aus sprach die g-ttliche Stimme zu Mosche.

So beschrieben, scheint es sich um eine Art spirituelle Technologie zu handeln. Ein weiterer Aspekt davon wird in einer Lehre der Weisen deutlich. Sie erklären, dass ein Strom göttlicher Energie von G-tt ausgeht. Ein Aspekt dieser Energie ist, dass sie die Welt am Leben erhält. Ein anderer ist, dass sie in den Geist eines Propheten wie Mosche oder Jesaja eintritt und die Form von Worten der Tora-Lehren annimmt.

Ist diese Perspektive auf das Leben weniger glaubwürdig als die geheimnisvollen Erkenntnisse der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik?

Das Ziel der Tora ist es, die tiefsten Kräfte im Herzen der Existenz nutzbar zu machen, um den göttlichen Zweck der Schöpfung zu erreichen. Die Mizwot sind Anweisungen, wie man so leben kann, dass das spirituelle Potenzial des Universums verwirklicht wird. Auf diese Weise wird schließlich - und zwar schon sehr bald - das Ziel erreicht, eine Epoche des universellen Friedens und der Harmonie zu erreichen, in der „die Welt von der Erkenntnis G-ttes erfüllt sein wird, wie die Wasser das Meer bedecken“.