Bereschit
Lieber Leser,
ein von den geistigen Führern von Lubawitsch aufgestellter Lehrsatz hat weite Verbreitung gefunden; er lautet: Schabbat Bereschit (also der Schabbat, an dem die erste Sidra, Bereschit, vorgetragen wird) hat Auswirkungen auf das ganze Jahr, und "Klang und Färbung" dieses Schabbats finden das Jahr hindurch ihren Niederschlag.
Dieser Grundsatz scheint einer näheren Erläuterung zu bedürfen, denn die Frage ergibt sich sofort: Warum sollte gerade dieser Schabbat diese besondere Dynamik besitzen? Warum sollte, zum Beispiel, ähnliches nicht für Schawuot gelten, den Tag der Offenbarung der Tora? Oder wären in der Tat alle Wochenabschnitte, in denen erst- und einmalig gewisse Gebote enthalten sind, nicht ebenso erheblich für das ganze Jahr? Worauf gründet sich die Ausnahmestellung von Schabbat Bereschit?
Die Antwort ergibt sich aus folgendem Gedankengang:
Im ersten Vers der Tora tritt der Begriff von "Erschaffen" (hebr. "Bara") auf, nämlich so: "Im Anfang erschuf (bara) G-tt Himmel und Erde", und das bedeutet: Erschaffen aus dem Nichts. Darin nun ist impliziert, dass der Schöpfungsakt notwendigerweise ein andauernder und anhaltender Vorgang ist, der sich in jeden Augenblick immer wieder ereignet. Es bedeutet daher, dass die Einzigartigkeit der "Sechs Tage der Schöpfung" – das ist der revolutionäre Wechsel aus dem ursprünglichen Nichts-Zustand in eine materielle Welt – etwas ist, das in jeden Augenblick seine Fortsetzung findet: Zu allen Zeiten gibt es ein Neu-Erstehen.
Schabbat Schalom
Einem chassidischen Spruch zufolge hat dieser Schabbat enorme Auswirkung auf das ganze kommende Jahr. So lehrten die chassidischen Meister: So wie der Mensch sich zu Schabbat Bereschit vorfindet, eben so wird auch sein ganzes Jahr ablaufen!
Die Tora beginnt mit dem Vers: "Bereschit Bara Elokim Et Ha'Schamaim We'et Ha'Arez" - "Im Anfang erschuf G-tt Himmel und Erde" [Bereschit 1, 1]. 'Bereschit' ist also das erste Wort der Tora.
Die allererste Mizwa, die wir in der Tora finden, ist "fruchtbar zu sein und sich zu vermehren", wie es der Vers in Genesis zum Ausdruck bringt. Diese Mizwa wird als "große Mizwa" betrachtet und setzt in gewissen Fällen sogar andere Gebote außer Kraft.
Als Kain endlich seine Schuld eingestand und seine Sünde bereuen wollte, - was tat er? Er kaufte weder einen Alkoholladen auf, schloss sich ein, löschte das Licht und betrank sich, noch lebte Kain seine Schuld dadurch aus, indem weiter tötete, oder in Depression versank.
Zu Simchat Tora drängen sich Juden allen Alters auf der ganzen Welt in die Synagogen, singen und tanzen dort fröhlich und tragen die Torarollen auf ihren Schultern.
Eigentlich sollte der Grad der Freude von dem Grad der Verpflichtung dazu abhängen. Die Freude, die von der Thora geboten wird, sollte das größte Maß an Freude darstellen, während die Freude an den Hakafot, die nur ein Brauch sind, ein geringeres Maß an Freude mit sich bringen sollte.
Ich bin ein Zwei-Tage-Jude. Okay, ich bin ein Vollzeit-Jude, aber zweimal im Jahr gehe ich in den Tempel. Als ich ein Kind war, ging ich jedes Wochenende.
Die meisten Bräuche und Traditionen des Judentums sind an keiner Stelle in der Bibel vermerkt. Wieso können wir nicht einfach das befolgen, was dort geschrieben steht? Ist es keine Ketzerei auf G-ttes Wort etwas hinzuzufügen?