Bamidbar
Lieber Leser,
die ersten Verse des Buches „Bamidbar“ schreiben vor, die gesamte jüdische Gemeinschaft zu zählen (Num. 1:2 ff.), und deshalb trägt dieses ganze 4. Buch der Tora die Überschrift „Zahlen“ oder „Gezählte“ („Pekudim“).
Eine Zahl ist etwas, das in keiner Weise mit dem gezählten Ding als solchem organisch verbunden ist noch als Attribut etwas darüber aussagt. Denn alles wird gleichförmig gezählt, ohne Unterschied, ob groß oder klein, bedeutend oder unbedeutend. So auch hier: Die Vorbedingung des Gezähltwerdens – nämlich dass jemand 20 Jahre als sein soll – sagt nichts über die Person selbst oder ihren Charakter aus; es handelt sich lediglich um einen Lebensabschnitt, der automatisch erreicht wird. Wenn dem so ist, dann ist es jedoch schwierig, zu verstehen, wieso dieser Vorschrift eine so besondere Wichtigkeit beigemessen wird, wieso sie so wesentlich ist, dass sie als erste in diesem Buche des Chumasch erscheint und dem ganzen Buch seinen Namen gibt. Dazu ist folgendes zu sagen:
Nach jüdischem Recht kann eine Sache, die normalerweise gezählt (d.h. quantitativ erfasst) wird, niemals „nichtig“ oder „null“ werden, wenn sie mit anderen Sachen vermischt wird. Denn wenn etwas gezählt wird, so ist schon allein durch diese Tatsache angezeigt, dass es einen Wert an sich und als solches hat.
Aus beiden obigen Gesichtspunkten müssen wir folgern, dass das Zählen zwar nicht – wie gesagt – den Wert des Gezählten bemisst, dass es aber nichtsdestoweniger beweist, dass es nicht ohne Wert ist.
Schabbat Schalom und Chag Sameach
Die Juden direkt zu zählen ist verboten. Was ist der Grund für dieses Verbot? Die Kommentatoren sagen, dass ein direktes Zählen der Juden eine Beurteilung der Individuen hervorrufen kann.
Klassenlehrerin Kaplan fragte am Freitagmorgen die Mädchen, welche Parascha an diesem Schabbat gelesen wird. "Ich weiß es," rief Ricki, "es ist Bamidbar."
Bestimmt kannte G-tt die „100 schönsten Urlaubsorte“ der Reisemagazine, die herrlichen Strände von Maui und die majestätischen Alpen. Warum gab er uns die Tora dann in einer heißen Wüste mitten im Sommer?
Zum Ereignis der Offenbarung der Tora, Thema des nächste Woche zu feiernden Schawuot-Festes, lassen sich vielerlei Gedanken vortragen. Im Folgenden sei hier ein sehr spezifischer Gesichtspunkt erörtert.
Am ersten Tag des Monats Siwan gelangten die Kinder Israels in die Wüste Sinai, wo sie am Fuße des G-ttesberges lagerten. Die Thora erzählt von diesen Ereignissen und verwendet dabei die Pluralform für die Kinder Israels, wechselt dann aber schlagartig in den Singular.
Der Talmud erzählt, dass, als Mose in die „Himmel“ (spirituelle Welten) aufstieg um die Thora zu erhalten, die Engel vor G-tt klagten: „Was macht ein Sterblicher unter uns?“ G-tt antwortete: „Er ist hier, um die Thora zu bekommen“.
Das Fest Schawuot feiert den Tag, an dem wir am Berg Sinai die Tora empfingen. Die g-ttliche Offenbarung am Berg Sinai war das dramatischste und spektakulärste Ereignis in der jüdischen Geschichte – die Erfahrung, die uns zu einem Volk machte.
Die Frage wird immer wieder gestellt: Was genau bedeutet das Ereignis am Berge Sinai? Unsere Stammesväter haben die Tora bereits Jahrhunderte vor der "Übergabe" der Tora an die Israeliten zu Schawuot studiert und gelehrt.