"Mach eine Umzäunung um dein Dach damit du kein Blutvergießen über dein Haus bringst, wenn jemand herunterfällt." Deuteronomium.
Früher dienten Dächer als Lager- und Trockenplätze landwirtschaftlicher Erzeugnisse oder als Aufenthaltsräume für die Freizeit, so dass mit Ihrer Begehung stets auch die Gefahr des Herabstürzens verbunden war. Die Tora gibt uns Anweisungen zur Gefahrenreduzierung: Durch den Bau eines Geländers oder einer anderen Art von Absturzsicherung von "mindestens 10 Handbreiten Höhe" und ausreichender Stabilität, um Größe und Gewicht eines Erwachsenen standzuhalten. Dagegen benötigen nicht benutzte Dachflächen, wie z.B. die meisten modernen Dächer, keinen Zaun.
Diese Vorschrift gilt nicht nur für gefährliche Hausdächer, - denn die Tora besagt, dass wir auch andere potentielle Risiken vermeiden sollen. Die jüdischen Weisen nennen folgende Beispiele:
- Nicht nur Hausdächer, auch Veranden und Balkone müssen umzäunt und Treppenhäuser mit einem robusten Geländer versehen werden.
- Für Bauarbeiter ist es Pflicht, jedes aufgegrabene Loch abzudecken oder mit einer Schranke zu sichern, sobald sie die Baustelle verlassen. Diese Sicherung gilt auch für Schwimmbecken. Gefahrbringende Gegenstände und Ausstattungen müssen so aufbewahrt werden, dass durch sie kein Schaden angerichtet werden kann.
Sie haben Ihr Leben nicht erschaffen, wie können Sie sich erlauben, es zu gefährden? Niemand soll einen gefährlichen Hund besitzen, d.h. einen Hund, der durch Bellen Leute erschreckt. Wer aber einen solchen Hund in seinem Haus hält, muss ihn so anketten, dass dieser keinen Schaden anrichten und andere Leute nicht verängstigen kann. - Ein Vater ist verpflichtet, seinem Sohn das Schwimmen beizubringen.
Gehen Sie kein Risiko ein:
Sie haben Ihr Leben nicht erschaffen, wie können Sie sich erlauben, es zu gefährden? Die Mizwa, Gefahren zu reduzieren, bezieht sich somit auch auf den Menschen selbst.
Einige Beispiele für verbotene Risiken sind:
- Durch strömendes Wasser, das höher als zur Taille steht, zu waten;
- ein Fahrzeug mit zu hoher Geschwindigkeit zu lenken;
- eine unstabile Brücke zu überqueren; unter einer wackeligen Leiter zu laufen.
- Da das Rauchen heutzutage als gesundheitsgefährdend erkannt wurde, sind viele zeitgenössische halachische Autoritäten der Meinung, dass Rauchen verboten ist, - und zwar erst recht in Gegenwart Anderer.
Danke für diesen wunderbaren Text, der mich an einen Spruch meines Vaters erinnert: Lieber 5 Minuten feige als ein Leben lang tot.
Sollte heißen, dass man zwar im Leben immer wieder Risiken eingehen muss, die nicht vermeidbar sind. Aber vermeidbare Risiken sollten minimiert werden, wie in diesem Text dargestellt.
Noch ein Kommentar zu den "Umzäunungen": Auf vielen schrägen Dächern gibt es noch kleine Zäune, die verhindern, dass im Winter Schnee herunterfällt. DAfür gibt es zwei Gründe. Zum einen kann zuviel Schnee auf dem Dach sein oder im beginnenden Frühjahr schmilzt der Schnee und fällt dann herunter, oft mit Eis vermischt und Passanten könnten gefährlich verletzt werden.
Nochmals Danke.
Angelika Dörre