Lieber Leser,

als die im heutigen Wochenabschnitt erwähnten Kundschafter aus dem Heiligen Lande zurückkehrten, äußerten sie sich über seine ungewöhnlichen Einwohner, die "Giganten", von denen sie sehr beeindruckt waren. Für zehn der zwölf Kundschafter war dies ein Grund, um das Volk aufzuwiegeln, gegen G-ttes Willen zu handeln. Jehoschua und Kaleb dagegen erkannten das Potential eines Landes, welches solche Giganten hervorbringen konnte, und dazu auch riesige Vorräte an Früchten und anderen Bodenerzeugnissen. In der Tat kamen sie, genau umgekehrt, zu dem Schlusse, dass eben aus diesem Grunde das Land ein besonders vorzügliches war.

Im übertragenen Sinne gilt Ähnliches heute, wenn wir (zum Beispiel) mit Sorge die Unruhe und Rebellion von Universitätsstudenten betrachten. Bei uns hinterlässt der moderne Student oft den befremdenden Eindruck eines "Giganten" unserer Tage.

Viele möchten einfach sagen, diesen Studenten gehe jede Rücksichtnahme und Achtung für Eltern, Lehrer, Tradition, überhaupt für die Ansichten jedes anderen ab – sogar Achtung für ihr eigenes Studium. Da denn wird alsbald die Frage gestellt: "Wie können diese jungen Menschen überhaupt für die Tora interessiert werden – für eine Tora, die vor allem anderen Disziplin verlangt? Wie kann man hoffen, sie davon zu überzeugen, dass sie das 'Joch des Himmlischen Reiches' auf sich nehmen sollten?"

Derlei Argumente lassen sich damit beantworten, dass diese "Riesen", wenn man sie nur richtig behandelt und sie auf solche Weise "besiegt", noch stärker im Judentum verankert, noch mehr darauf festgelegt sein werden als ihre einstigen Vorgänger. Ihre scheinbare Verachtung der öffentlichen Meinung, ihre Unzufriedenheit über die weitverbreitete Heuchelei und Scheinheiligkeit des Augenblickes wird sie in Wahrheit dazu befähigen und dazu führen, noch eifrige Anhänger von Tora und G-ttes Geboten zu werden!

Schabbat Schalom