Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 581, ab Alef.

VIII. Als das jüdische Volk durch den bösen Bericht der Kundschafter aufgestachelt wurde, lautete eine seiner Klagen: „Unsere Frauen und unsere kleinen Kinder sollen zur Beute werden.“1 Derselbe Wortlaut erscheint auch in der G-ttlichen Erwiderung: „Was eure kleinen Kinder betrifft, von denen ihr sagtet, sie sollen zur Beute werden ... sie sollen es besitzen.“2

Diese Formulierung bedarf einer Erklärung. Schließlich dachten die Kundschafter nicht nur an die kleinen Kinder, sondern auch an die älteren: Alle werden zur Beute werden. Warum sprach das Volk dann speziell von „Taf – kleinen Kindern“ und nicht einfach von „Kindern“, was die Jüngeren und die Älteren einschließen würde?

Auf Anhieb könnte man vermuten, dass die Kundschafter versuchten, dem Volk den größtmöglichen Schrecken einzujagen: Sie bezogen sich auf kleine Kinder, weil es eine offenkundigere Liebe und größeres Mitgefühl für sie gibt. [So finden wir, dass G-ttes Liebe zu Israel mit „Denn Israel ist ein Jüngling und“ – deshalb „habe Ich ihn geliebt“ – zusammenhängt.3 ]

Diese Antwort würde jedoch nur die Verwendung des Begriffs Taf in der Argumentation des Volkes erklären. Wir finden jedoch auch in der G-ttlichen Erwiderung eine spezifische Verwendung dieses Begriffs: G-tt spricht speziell von den kleinen Kindern, wenn er sagt: „Ich will sie hineinbringen“4 und „Sie sollen es besitzen.“5 Dies zeigt also, dass die kleinen Kinder enger mit dem Erbe und dem Eintritt in das Land Israel verbunden sind.

IX. Unser Text kann im Zusammenhang mit dem Spruch unserer Weisen verstanden werden, dass ein Kind mehr zerbröselt, als es isst.6 Josef wird also für seine Einsicht gelobt, das Haus seines Vaters „mit Brot zu versorgen nach Anzahl der Kleinen“7, weil er erkannte, dass man den Kleinen mehr zu essen geben muss, als sie tatsächlich essen, um die Menge auszugleichen, die sie zerbröseln werden.

Brot im spirituellen Sinne symbolisiert im Allgemeinen die Tora.8 Tora und Mizwot werden als Essen und Trinken bezeichnet.9 In diesem Zusammenhang gibt es einen Unterschied zwischen denen, die geistig reif sind, und den Kleinen, d. h., denen, die „geistig klein“ sind. Menschen mit reifem Verstand verbringen den größten Teil ihrer Zeit und Energie mit Tora und Mizwot, und ihre Tora und Mizwot selbst sind so, wie sie sein sollten. Bei den „Kleinen“, den geistig Unreifen, ist es anders: Sie verschwenden die meiste Zeit und Energie mit anderen Dingen, und ihre Tora und Mizwot sind mit Hintergedanken verbunden.

„Ein Kind zerbröselt mehr, als es isst.“ Von ihrem Ausüben von Tora und Mizwot wird mehr zerbröckelt, als in sie hineingeht. Denn nur Tora und Mizwot, die Lischma, um ihrer selbst willen, praktiziert werden, erreichen das Innere eines Menschen und werden zu Nahrung und einem Gewand für die G-ttliche Seele.10 Bei den Kleinen (im Geiste) ist dies nur eine unbedeutende Menge. Der größte Teil ihrer Tora und Mizwot beruht auf Hintergedanken.

X. All dies war in dem Rat der Kundschafter enthalten, als sie argumentierten, dass es besser sei, in der Wüste zu bleiben, als das Land Israel zu betreten. Denn, wie bereits ausführlich dargelegt, war in der Wüste alles erhaben und spirituell. Im Land Israel hingegen müssen sich die Menschen mit der physischen Realität des Lebens auseinandersetzen. Die meiste Zeit werden sie daher mit alltäglichen Dingen verbringen. Selbst von der wenigen Zeit, die für Tora und Mizwot aufgewendet wird, wird ein großer Teil egozentrisch und zerbröselt sein.

Der Allmächtige entgegnete: „Was deine Taf betrifft, von denen ihr sagtet, sie würden zur Beute werden“ – sie sind es, von denen es heißt: „Ich werde sie hineinbringen“ und „Sie werden es besitzen.“ Dies bezieht sich auf die „Kleinen“, eben jene, die mit der physischen Realität zu tun haben, sie, und nicht die „Generation der Wüste – die Generation des Wissens.“11 Bei jenen, die sich zwingen, Tora und Mizwot angesichts weltlicher Beschäftigungen zu befolgen, macht gerade diese Notwendigkeit, sich zwingen zu müssen, das wenige, das sie tun, wertvoller als die erhabene Awoda der „Generation der Wüste.“12 Der „Generation der Wüste“ fehlte die Tugend der Itkafja, der Selbstunterwerfung und Selbstbezwingung, deren Vorteil im Zusammenhang mit der Awoda von Birurim erläutert wird.

XI. Dennoch „verliert die Schrift nicht ihren einfachen Sinn.“13 Alle Erklärungen von Sod, Derusch und Remes stimmen letztlich mit der einfachen Bedeutung (Pschat) überein. Die einfache Bedeutung von Taf sind Kinder im wörtlichen Sinne.

Das Studium der Tora durch Kinder – Schulkinder im wörtlichen Sinne – hat einen Vorteil gegenüber dem Studium durch Erwachsene, analog zum Vorteil von Taf im geistigen Sinne, der oben diskutiert wurde. Das tatsächliche Niveau und der Grad ihres Studiums ist von niedrigem Niveau, aber in vielerlei Hinsicht ist es für G-tt wertvoller als das Studium von Erwachsenen.

Der Midrasch14 kommentiert den Vers15Wediglo (und Sein Banner) über mir ist Liebe“: „‚Wedilugo (und sein Fehler; seine Auslassung; sein Überspringen) über Mich ist Liebe‘ – selbst wenn ein Kind den Namen G-ttes auslässt“, ruft es immer noch G-ttes Liebe hervor. Denn da die Handlung des Kindes auf Liebe beruht, auf seiner Liebe zu G-tt, ruft es eine Himmlische Liebe in gleicher Weise hervor.

Tatsächlich hat G-tt angesichts der Himmlischen Liebe zu Schulkindern die Tora ganz Israel nur aufgrund der Kinder gegeben – „Unsere Kinder sind unsere Bürgen.“16

Deshalb heißt es im Gesetz: „Man soll die Schulkinder nicht dazu bringen, ihr Studium zu vernachlässigen, auch nicht für den Bau des Bet haMikdasch.“17 Der Bau des Bet haMikdasch ist äußerst wichtig, denn er ermöglicht das Erreichen der höchsten Stufen. Nichtsdestotrotz ist das Studium der Schulkinder noch erhabener.

XII. Heute ist Schabbat Mewarchim für den Monat Tammus. Von diesem Tag an sind alle Aspekte dieses Monats gesegnet, und besonders die gesegneten Aspekte in ihm – [wie das verheißungsvolle Datum des zwölften Tammus].

Das oben beschriebene Konzept ist einer der wichtigsten Aspekte im Zusammenhang mit dem zwölften Tammus, dem Tag der Befreiung meines Schwiegervaters, des Rebben:

Er opferte sich für die Stärkung und Verbreitung von Jiddischkeit. Er stellte sich mit aller Kraft gegen all jene, die gegen G-tt und Seinen Gesalbten kämpfen wollten. Vor allem die Erziehung der Schulkinder war eines der Hauptanliegen, für das sich der Rebbe einsetzte. In jenen Tagen verkündete der Rebbe mehrmals18 die Erklärung des Verses19 „Aus dem Mund von Säuglingen und Kleinkindern hast Du Kraft begründet ... um Feind und Rächer zum Schweigen zu bringen“: Nur durch die Säuglinge und Kleinkinder, die Schulkinder, die Tora lernen, wird die Kraft gefunden, alle Feinde, die sich den Juden und der Jiddischkeit in den Weg stellen, zu vernichten und zu beseitigen. Die Rettung für die Gesamtheit Israels kommt gerade von den Schulkindern.

Es ist auch jetzt noch so wie in den Tagen von Mordechai und Esther:20 Als der Allmächtige die Stimme der Kleinen, die Stimme der Schulkinder hörte, bewirkte dies die Erregung großen Mitgefühls oben und brachte die Rettung und Erlösung für ganz Israel.21

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten am Schabbat Paraschat Schlach 5721)