Lieber Leser,

in der dieswöchentlichen Sidra erzählt uns die Tora, wie das jüdische Volk durch die Wüste zog: "Auf G-ttes Befehl lagerten (ruhten) sie, und auf G-ttes Befehl zogen sie" (Num. 9, 20). Ferner: "... G-ttes Bundeslade zog ihnen voran" (Ibid. 10, 33).

Ob nun, im Laufe unserer langen Geschichte, das jüdische Volk Frieden und Wohlstand besaß ("sie ruhten") oder ob es sich im Exil und auf steter Wanderung befand ("sie zogen"), war es den Juden doch stets klar, dass dieses jedes Mal "auf G-ttes Befehl" geschah. Dieselbe G-ttliche Vorsehung, die unserem Volk Frieden und Wohlstand gewährte, ordnete auch die Zerstreuung und das Leiden an. Die "Bundeslade" – d.h. die Tora – hat uns immer geleitet; unsere Bindung an G-tt blieb unerschütterlich in Zeiten des Druckes wie in Zeiten der Behaglichkeit.

Was für das jüdische Volk als Gesamtheit gilt, gilt auch für jeden einzelnen Juden. Von dem Augenblick seiner Geburt bis zu seinem letzten Atemzug muss der Jude eine Vielzahl von "Wanderungen" unternehmen, physischer wie spiritueller Art. Die "Bundeslade" – die Tora – "zieht ihm voran", gibt ihm Zeichen und bittet ihn: "Folge mir!" Unglücklicherweise können manche Juden diese Bundeslade nicht sehen, noch vermögen sie ihren Ruf zu hören. Es ist unsere Verpflichtung diesen Juden gegenüber, ob jung oder alt, ihnen auf ihrer Wanderung durch das Leben beizustehen. Dies ist eine lebenswichtige Aufgabe, gleich wichtig für die Einzelperson, die Gemeinde und für unser Volk in seiner Gesamtheit. Auf diesem Gebiete werden von uns die größtmöglichen Anstrengungen verlangt.

Schabbat Schalom