Acharej
Lieber Leser,
wie andere Völker ihre Nationen über Grenzen definieren, definieren wir Juden uns über eine Geschichte in der Zeit. Jede Nuance jüdischer Weisheit kommt in Form dieser Geschichte, alles was wir tun hängt damit zusammen. Nichts - nicht unsere Gebote, unsere Gewohnheiten, unsere Empörung oder Leidenschaft kann außerhalb dieser Erzählung begriffen werden.
Und was ist diese Geschichte? Es ist jene, die wir unseren Kindern an Pessach erzählen. "Einst waren wir Sklaven, dann gab G-tt uns die Freiheit". "Jetzt sind wir Sklaven, nächstes Jahr werden wir frei sein." Es ist die Geschichte der Erlösung. Eine Geschichte, die sich noch erfüllen muss. Eine Geschichte, bei der wir in jedem Moment die Erfüllung erleben können.
Was passiert, wenn der Jude seine Geschichte verliert? Er ist immer noch ein Jude, aber er ist heimatlos. Und wenn das gesamte jüdische Volk - G-tt verhüt - seine Geschichte verlieren würde - selbst wenn wir in unserem eigenen Land, mit unserer eigenen Regierung wären - so wären wir eine heimatlose Nation. Deshalb haben wir das Exil überlebt: weil wir es nie wahrhaftig betreten haben. Wir wussten immer, woher wir kamen und wohin wir wieder gehen werden, deshalb waren wir auf eine bestimmte Art immer dort. Denn wir hatten immer die Geschichte.
Schabbat Schalom
Am letzten Pessachtag ereignete sich das Wunder der Meeresspaltung. Dem Midrasch zufolge spaltete sich nicht nur das Schilfmeer, als die Kinder Israels das Meer durchquerten, sondern „es spaltete sich alles Wasser auf der Welt.“
Warum musste G-tt eine Übereinkunft mit dem Meer treffen und warum gerade als es geschaffen wurde? Seine Macht über Seine Schöpfung ist unbegrenzt; Er hätte das Meer bestimmt teilen können, wenn Er es gewollt hätte - mit oder gegen seine Zustimmung.
Über 200 Jahre lang waren die Israeliten unterdrückt worden, von einer mächtigen Nation, die ihre Herrschaft über alle benachbarten Völker ausgedehnt hatte, nicht nur mit Waffengewalt, sondern auch durch ihre gewaltige Überlegenheit in Wissenschaft und Technologie, in der Tat in allen Dingen, die man heute als "Kultur" und "Zivilisation" bezeichnet.
Der Midrasch bringt mehrere Gründe für den plötzlichen Tod der Söhne Arons, Nadaw und Awijhu: Sie betraten das Allerheiligste; ihnen fehlten die Gewänder (die ein Kohen tragen musste, wenn er seinen Tempeldienst verrichtete); sie hatten keine Kinder; sie waren nicht verheiratet.
Zu Beginn der Sidra Acharej legt die Tora in Bezug auf Aarons Dienst im Heiligtum fest (Lev. 16, 2-3): "Er soll nicht zu jeder Zeit ins Heiligtum kommen ... (sondern) mit diesem komme Aaron ins Heiligtum."
Menschen, die nach einer höheren Ebene an Sensibilität streben, versuchen, extra koscher zu leben, und sind keine Sklaven ihrer Nahrungsmittel.
Sinn und Bedeutung der augenblicklichen Zeitspanne des "Omerzählens" lassen sich durch die folgenden Überlegungen erhellen: Pessach ist bekanntlich das Fest, an dem wir die Befreiung aus Ägypten feiern, am Schawuot-Feste gedenken wir der Entgegennahme der Tora am Berge Sinai.