Lieber Leser,

wie andere Völker ihre Nationen über Grenzen definieren, definieren wir Juden uns über eine Geschichte in der Zeit. Jede Nuance jüdischer Weisheit kommt in Form dieser Geschichte, alles was wir tun hängt damit zusammen. Nichts - nicht unsere Gebote, unsere Gewohnheiten, unsere Empörung oder Leidenschaft kann außerhalb dieser Erzählung begriffen werden.

Und was ist diese Geschichte? Es ist jene, die wir unseren Kindern an Pessach erzählen. "Einst waren wir Sklaven, dann gab G-tt uns die Freiheit". "Jetzt sind wir Sklaven, nächstes Jahr werden wir frei sein." Es ist die Geschichte der Erlösung. Eine Geschichte, die sich noch erfüllen muss. Eine Geschichte, bei der wir in jedem Moment die Erfüllung erleben können.

Was passiert, wenn der Jude seine Geschichte verliert? Er ist immer noch ein Jude, aber er ist heimatlos. Und wenn das gesamte jüdische Volk - G-tt verhüt - seine Geschichte verlieren würde - selbst wenn wir in unserem eigenen Land, mit unserer eigenen Regierung wären - so wären wir eine heimatlose Nation. Deshalb haben wir das Exil überlebt: weil wir es nie wahrhaftig betreten haben. Wir wussten immer, woher wir kamen und wohin wir wieder gehen werden, deshalb waren wir auf eine bestimmte Art immer dort. Denn wir hatten immer die Geschichte.

Schabbat Schalom