Haasinu
Lieber Leser,
der Monat Elul ist alljährlich die Zeit, da die jüdische Gemeinschaft vom Geist der Tschuwa beseelt ist. Das alte Jahr klingt aus mit Tschuwa während der Slichot-Tage; das neue Jahr wird im gleichen Geiste durch die Zehn Bußtage eingeleitet; und der heiligste Tag im Kalender, Jom Kippur, stellt gleich zu Anfang des Jahres den Gipfelpunkt dar, indem hier die zentrale Stellung von Tschuwa im jüdischen Leben betont wird.
Was aber eigentlich ist Tschuwa – eins der mächtigsten Potentiale, die dem Juden von seinem Schöpfer gegeben sind?
Die Mizwa von Tschuwa: Tschuwa hat zweierlei Aspekte: einmal ist in diesem Begriff die aufrichtige Reue für das Negative der Vergangenheit – die Sünden und bösen Taten – enthalten, auf der anderen Seite wird gleichzeitig damit für die Zukunft der feste Entschluss gefasst, nicht wieder zu versagen.
Was die Tschuwa erreicht: Das Wort "Tschuwa" geht auf eine hebräische Wurzel zurück, die "zurückkehren" bedeutet, und somit ist hierin das Streben ausgedrückt, dass man zu einem früheren und unbefleckten Zustand zurückkehrt. Dadurch ist der reuige Mensch in die Lage versetzt, "sich zu rehabilitieren" und G-ttes Gunst wieder zu erlangen, so dass er "G-tt, in Seiner Gnade, wieder angenehm ist und von Ihm geliebt wird, wie es ja vor der Sünde auch der Fall war". Wenn diese Reue bedingungslos und ernsthaft ist, dann ist es dem reuigen Menschen gegeben, seine Zukunft so zu gestalten, dass sie keine Makel mehr aufweist, und zwar nicht bloß in seinen Taten sondern ebenso in seinen Worten und Gedanken.
Schabbat Schalom
Am Ende unseres Wochenabschnitts ordnet G-tt Mose an: Steige auf diesen Grenzberg, den Berg Nebo und dort sollst du sterben. Die Thora erwähnt, dass G-tt Mose diesen Befehl „mitten am Tag“ gab. Mose erhielt viele Befehle von G-tt, doch niemals erwähnte die Thora, dass sie „mitten am Tag“ erfolgten.
Jedes neue Jahr wird eingeleitet durch die Zehn Tage von Tschuwa (Rückkehr), die mit den beiden Tagen von Rosch Haschana beginnen und im Jom Kippur ihren Höhepunkt finden.
Unser Leben ist geteilt zwischen Geist und Materie, zwischen dem heiligen und dem Alltäglichen.
Rosch HaSchana und Jom Kippur haben einen gemeinsamen Nenner: Beide werden „Kopf des Jahres“ genannt: Rosch Haschna, weil er eben der Beginn des Jahres ist; doch auch Jom Kippur wird in den Propheten „Rosch HaSchana“ bezeichnet.
Das Streben des Menschen G-tt zu dienen kann von jedermann, zu jeder Zeit und überall umgesetzt werden.
Wenn das Leben eine Weltraumfahrt ist, dann sind die Hohen Feiertage ihre Heimatbasis. Von dort kommen Sie, werden von dort gesteuert und dorthin gehen Sie zur Durchsicht zurück.