Haasinu
Lieber Leser,
Höhepunkt der "ehrfurchtgebietenden Tage" ist Jom Kippur, und zur Zeit des Tempels stand im Mittelpunkt dieses Tages der vom Kohen Gadol, dem Hohepriester, verrichtete Dienst im Heiligtum. Das Jahr hindurch konnten andere Priester jeden Tempeldienst versehen, am Jom Kippur aber war es der Hohepriester, der allein all die für diesen geheiligten Tag notwendigen Riten ausführte.
Dieser Dienst des Hohepriesters am Jom Kippur bestand aus zwei Teilen. Für die Verrichtung des einen Teils trug er seine wertvollen Golden Gewänder. Obwohl diese Kleider neben dem Gold auch andere Materialien enthielten, wurde sie dennoch "Goldene Gewänder" genannt. Für den anderen Teil seines Dienstes dagegen – das war für den Dienst im Allerheiligsten – trug der Hohepriester einfache Gewänder aus weißen Leinen.
Mit der Zerstörung des Tempels ging lediglich das Gebäude als solches, also das Konkrete, die Steine, das Gold und das Silber, verloren. Das geistige Heiligtum dagegen, wie es in der Seele jedes Juden existiert, blieb bestehen, und es ist weiterhin dort verblieben, in einem Zustand von unzerstörbarer Vollständigkeit. Niemand kann diesen inneren Tempel vernichten – nicht einmal der Jude selber. Wie es der frühere Lubawitscher Rebbe s.A. einmal ausgedrückt hat: "Nur unsere Körper wurden in ein physisches Exil getrieben und dem Willen einer äußeren Autorität unterworfen; unsere Seelen wurden nicht in die Zerstreuung geschickt noch einer fremden Herrschaft untertänig gemacht."
Der geistige Tempel im Inneren jedes Juden ist allein der Dimension von Zeit unterworfen, das heißt, den verschiedenen Phasen des Jahresverlaufs. So denn wird am Jom Kippur jeder einzelne Jude zum Kohen Gadol, Hohepriester, in seinem eigenen, persönlichen Tempel; er muss für sich selbst alle "Tempeldienste" versehen und darf sich dabei auf keinen anderen verlassen. Und diese Aufgabe besteht – auch wieder analog – aus zwei Teilen, nämlich aus dem Dienst im Allerheiligsten in den weißen Kleidern und aus den anderen feierlichen Riten in der Hülle der Goldenen Gewänder.
Zom kal we Chag Sameach
Jedes neue Jahr wird eingeleitet durch die Zehn Tage von Tschuwa (Rückkehr), die mit den beiden Tagen von Rosch Haschana beginnen und im Jom Kippur ihren Höhepunkt finden.
Alle waren mit den Vorbereitungen für Sukkot beschäftigt. Miri und Mascha waren gerade dabei, Tische und Stühle in die Sukka zu tragen. Mendi und Mordechai halfen inzwischen ihrem Vater, das Sechach auf die Sukka zu legen.
Jom Kippur markiert den Tag, an dem G-tt dem Jüdischen Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hat.
Wir haben ein animalisches Selbst, das hungert und dürstet und die Zähne bleckt, wenn sein Revier bedroht ist; ein emotionales Selbst, das liebt und fürchtet, fröhlich und niedergeschlagen ist.
Mir ist klar, dass das Fasten an Jom Kippur mich veranlassen soll, mich nicht auf den Körper, sondern auf die Seele zu konzentrieren. Aber gegen Mittag bin ich so hungrig, dass ich bis zum Ende des Tages nur noch an Essen denken kann. Ist das nicht kontraproduktiv? Wie kann ich mit knurrendem Magen spiritueller werden?
Im ersten Jahr nach der Perestroika leitete einer meiner Freunde am Abend von Jom Kippur den Kol-Nidre-G–ttesdienst in der Hauptsynagoge von Kiew.
Jom Kippur ist unser heiligster Tag im Jahr, und an diesem verbinden wir uns mit der Quelle. Unsere Seele bleibt immer G-tt treu ergeben, egal wie wir uns benehmen.