Korach
Lieber Leser,
Moses war außerordentlich bescheiden. Tatsächlich wird das in der Tora bestätigt: "Moses war sehr bescheiden, mehr als alle anderen Menschen auf der Erde". Aber als seine Führungsposition von seinem gebildeten Cousin Korach in Frage gestellt wurde, antwortete Moses mit uncharakteristischer Empörung. Wir hätten erwartet, dass Moses sich an G-tt wendet und sagt: "Allmächtiger, vielleicht solltest Du es in Erwägung ziehen, Korach zu erlauben, meine Position zu bekleiden, denn er ist höher qualifiziert als ich! Ich bin sehr gerne bereit, meine Position an den würdigeren Kandidaten abzugeben!"
Wenn wir uns ansehen, wie Demut in der Tora beschrieben wird, dann verstehen wir, dass Moses' Reaktion auf Korachs Aufstand mit seiner außergewöhnlichen Demut in Einklang war.
Wahre Bescheidenheit ist nicht das Resultat einer Unterschätzung seiner Talente und Errungenschaften. Das ist falsche Bescheidenheit, denn sie basiert auf einem falschen Fundament. Tatsächlich ist sich die wirklich bescheidene Person ihrer Stärken und Qualitäten wohl bewusst - und erkennt gleichzeitig, dass alle diese Talente G-tt-gegeben sind. Daher ist das kein Grund, sich anderen gegenüber, die nicht solche Talente von G-tt bekommen haben, überlegen zu fühlen. Die bescheidene Person denkt: "Vielleicht würde dieser Mensch, hätte er dieselben Fähigkeiten wie ich mitbekommen, genauso viel erreicht, oder sogar noch mehr".
Moses hat erkannt, dass G-tt ihm ungeheuer starke Führungsqualitäten gegeben hat. Deshalb sträubte er sich dagegen, seine Position einem anderen zu überlassen. Diese Erkenntnis hat aber seine wirkliche Bescheidenheit und seinen Respekt gegenüber jedem Juden nicht beeinträchtigt.
Schabbat Schalom
Die einleitenden Worte der diewöchigen Sidra (Numeri 16, 1): „Und Korach nahm“ werden im aramäischen Targum Onkelos übersetzt mit: „Und Korach trennte.“
Bei der ersten in der Bibel erzählten Kampagne beschreiben Korach und seine Anhänger Mose als einen korrupten Politiker, der um Macht auszuüben der zeitlosen Verführung unterlag, in einem Akt von Vetternwirtschaft seinen Bruder Aaron als Hohepriester einzusetzen.
Das Wohnzimmer, die Küche, das Esszimmer, das Schlafzimmer – jeder dieser Räume beherbergt und dient einem verschiedenen Aspekt unseres Lebens.
Während des Aufstands von Korach gegen seinen Cousin Mosche Rabbenu griff er Mosche nicht nur an, weil dieser ihm seine vermeintlich rechtmäßige Position verwehrte, sondern er stellte auch Mosches Autorität in Frage, halachische Entscheidungen zu treffen.
„Gelebtes Judentum heute – eine Gratwanderung zwischen Substanzerhalt und Assimilation“. Ist diese Gegenüberstellung überhaupt richtig? Sind das Judentum und die moderne Welt wirklich zwei miteinander unvereinbare Extreme? Oder kann es uns gar gelingen, Brücken zu bauen und dadurch beide Bereiche unseres Lebens unendlich zu bereichern?
Die mystische Tradition des Judentums lehrt uns, welche unglaubliche Macht uns Menschen durch das einmalige Geschenk der freien Wahl gegeben wurde.
