Schmini
Lieber Leser,
in den Wochen zwischen Pessach und Schawuot studieren wir am Schabbat die Pirkej Awot ("Sprüche der Väter"), einen Traktat der Mischna, um uns auf diese Weise auch auf den Festtag der Offenbarung der Tora (Schawuot) vorzubereiten. Der Traktat beginnt mit den Worten: "Moses empfing die Tora am Berge Sinai". Aus dieser Formulierung muss hervorgehen, dass in der Tatsache der Offenbarung auf dem Berge Sinai eine besondere Lehre enthalten ist. Denn wäre dem nicht so, hätte es dann nicht heißen sollen: "Moses empfing die Tora von G-tt"?
Der Midrasch besagt, dass verschiedene Berge miteinander darum stritten, wem die Ehre zuteil werden solle, der Schauplatz der Offenbarung der Tora zu sein. Der Berg Tabor erhob einen Anspruch darauf, weil er hoch war. Auch der Carmel ersuchte um das Privileg. G-tt bereitete ihrem Streit dadurch ein Ende, dass er erklärte, hohe Berge seien für die Gesetzgebung keine passenden Plätze. Vielmehr wurde der niedrigste aller Berge, nämlich der Sinai, dazu erkoren – und dadurch wurde der Wert der Demut als Tugend mit Nachdruck unterstrichen.
Eine Frage liegt auf der Hand: Wenn es darauf ankam, die Demut besonders zu betonen, dann hätte die Tora doch in einem tiefen Tal gegeben werden sollen, oder zumindest auf der Ebene, aber bestimmt nicht auf einem Berge! Hätte dagegen dem Stolze der Vorzug gebührt, wäre dann die richtige Stelle für die Gesetzgebung nicht ein den Sinai an Höhe überragender Bergesgipfel gewesen?
Die Erklärung ist diese: Um die Tora zu empfangen, um sie zu lernen und ihre Gebote zu befolgen, braucht man, in harmonischer Kombination, die zwei Eigenschaften des Sinai: einerseits war er "der niedrigste der Gipfel", und doch war er, andererseits, ein Berg und nicht ein Tal.
Chag Sameach und
Schabbat Schalom
Gehen oder Laufen impliziert einen Ortswechsel, daher ist dies eine Veränderung, die von der ursprünglichen Position abhängt und von ihr vorggeben wird. Ein Sprung jedoch, bei dem beide Füße den Boden verlassen, bedingt einen Bruch mit der Vergangenheit...
Wir alle bewohnen zwei Welten - Welten, die oft soweit voneinander entfernt liegen, wie zwei Welten es nur sein können.
Am siebten Pessach-Tag vollbrachte G-tt für das jüdische Volk das großartigste Wunder aller Zeiten – die Spaltung des Meeres. Der Midrasch schildert uns den wundersamen Zustand, welcher damals am Meer herrschte: Am Meeresboden gediehen Bäume, welche Früchte hervorbrachten, die bereits gereift waren. ...
Das sehr besondere Merkmal der augenblicklichen Tage zwischen Pessach und Schawuot ist die Sefira, das ist das an jedem von ihnen durchzuführende Omerzählen. Diese Jahreszeit ist so wohl durch außerordentliche physische wie durch vorzügliche spirituelle Aspekte gekennzeichnet.
Die Kabbalisten lehren, dass jeder von uns sieben grundlegende Neigungen und Charaktereigenschaften besitzt. Diese sind: Güte, Zurückhaltung, Mitgefühl, Ausdauer, Hingabe, Bindung und Würde. Alle unsere Gefühle und inneren Qualitäten bauen auf diesen sieben Attributen auf.
Eine wichtige Frage, die oft gestellt wird, lässt sich ungefähr so formulieren: Wenn wir – immer wieder – sagen, der Endzweck der Schöpfung sei, dass wir G-tt dienen, dass wir also Ihm dauernd etwas zu "geben" haben, sind wir dann nicht wie Roboter oder Marionetten?
„Und es geschah am achten Tag...“ - so beginnt der Wochenabschnitt Schmini. Er handelt von jenem Tage, an dem der Mischkan, das tragbare Heiligtum, welches uns auf unseren Wanderungen in der Wüste begleitete, eingeweiht wird.