Wajikra
Lieber Leser,
was haben Sie von dem kleinen Rüpel gelernt, der Sie in der dritten Klasse immer ärgerte? Was haben Sie von Ihrem Schwager gelernt, dem es Spaß macht, bei jedem Familientreffen über Politik zu streiten? Was lernen Sie von den Leuten, die Israel kritisieren oder alle Juden hassen?
„Nicht viel“, denken Sie vielleicht. „Diese Leute könnten etwas von mir lernen: Toleranz, Erleuchtung, Spiritualität.“ Aber denken Sie eine Minute nach: Was hätten Sie ohne diese Leute von Ihrer Toleranz, Erleuchtung und Spiritualität?
Diese Woche lesen wir in Wajikra über Opfer, und zwar geht es in der Tora um Tieropfer – um die Reinheit des Ochsen, wie man das Tier schlachtet und zubereitet, wie man den Altar baut und welche Öle und Gewürze man verwendet. Wer ein richtiges Opfer darbringen wollte, musste ein makelloses Tier opfern, das beste der Herde.
Heutzutage kommen wir diesen Forderungen am nächsten (sofern wir weder Schochet noch Maschgiach sind), wenn wir im Garten grillen. Das ist kein echtes Opfer, es sei denn, Ihre unsympathischen Nachbarn riechen den Duft und laden sich selbst ein.
Was bedeutet das Wort „Opfer“ heute? Als Opfer bezeichnen wir eine Entsagung: Wir verzichten auf Geld, Zeit, eine Niere ... auf etwas, was wir gut brauchen könnten, was andere aber noch dringender benötigen. Damit wollen wir sagen, dass wir für mehr Gerechtigkeit in der Welt eintreten und uns von einigen unserer Güter trennen, damit andere auch etwas haben. Kurz gesagt: Ein Opfer ist eine Mizwa.
Schabbat Schalom
Amnesie ist eine schlimme Krankheit. Stellen Sie sich vor, Sie wissen nicht mehr, wer Sie sind. Plötzlich haben Sie keine Familie, keine Lebensgeschichte und keine Identität mehr.
Der Buchstabe Alef im Vers „Und G-tt rief Mosche“ ist winzig. Er ist viel kleiner als ein normales Alef.
Zur Zeit des jüdischen Tempels drückte sich der G-ttesdienst des Volkes Israel hauptsächlich durch seine Opferdarbringung aus. Die Thorakommentatoren schreiben dem Opferdienst viele Gründe zu, wie die Sühne für Missetaten und ein Mittel zur Näherung an G-tt.
Zu Beginn der dieswöchigen Sidra – die sich bekanntlich mit den Tempelopfern befasst – sagt die Tora (Lev. 1, 2): "Ein Mensch, wenn er von euch ein Opfer G-tt nahebringen will ..."
Zugegeben, jeder jüdische Feiertag beruht auf der selben Geschichte ("Sie haben versucht uns umzubringen, G-tt hat uns gerettet, lasst uns essen!). Jedoch für jeden Feiertag wird diese Geschichte anders erzählt.
Da die Juden über 127 Provinzen und Länder verstreut lebten und ihr eigenes Land noch in Ruinen lag, gab es zwischen ihnen gewiss große Unterschiede, was Sitten, Kleidung und Sprache betraf, so wie es auch heute bei den Juden in den verschiedenen Ländern der Fall ist.
Wenn der Künstler sein Werk in die Hände nimmt, dreht er der Perfektion vorläufig den Rücken zu, gleich einem Krieger der Angst.