Bamidbar
Lieber Leser,
das Fest Schawuot, welches wir in der kommenden Woche zum 3.333 Mal begehen werden, feiert den Tag, an dem wir am Berg Sinai die Tora empfingen. Die g-ttliche Offenbarung am Berg Sinai war das dramatischste und spektakulärste Ereignis in der jüdischen Geschichte – die Erfahrung, die uns zu einem Volk machte. Indem wir dieses Fest begehen, verbinden wir uns jedes Jahr neu mit der Macht dieses Ereignisses, weil wir den Wert des kostbaren Geschenkes erkennen, das wir an diesem Tag erhielten: die Tora.
Als Mosche in den Himmel ging, um die Tora zu empfangen – so berichtet der Talmud –, behaupteten die Engel, sie hätten dieses Geschenk erhalten sollen, denn eine Lehre voller g-ttlicher Weisheit gehöre in den Himmel, wo sie gründlicher studiert und besser verstanden werde. Zu unserer Verteidigung erwiderte Mosche, die Tora sei nichts für Engel, weil sie ein moralischer und ethischer Verhaltenskodex sei, den nur jene Geschöpfe benötigten, die eine Jezer Hara (böse Neigung) besäßen und in Versuchung gerieten, das Gesetz zu brechen. Nur Geschöpfe, die stehlen, die Ehe brechen und lügen, seien der Tora wert. Das hört sich seltsam an. Warum sollte G-tt seinen Schatz ausgerechnet den Geschöpfen geben, die versucht sind, ihn zu missbrauchen?
Der Sohar lehrt, die Tora sei viel mehr als ein Gesetzbuch. Sie enthalte den Plan der Schöpfung und sei das Werkzeug, das G-tt benutzt habe, um eine neue Welt und eine neue Existenz zu erschaffen. Als er beschloss, sich von der Tora zu trennen und sie uns zu geben, wollte er, dass auch wir sie als Werkzeug nutzen, um kreativ zu sein und Neues zu erschaffen. Wenn wir die Lehre der Tora nicht nur als Verhaltenskodex benutzen, sondern auch als Mittel, mit dem wir echten Wandel bewirken können, dann ist auch das eine Form der Schöpfung. Wenn wir wahres Wachstum erfahren, unseren Charakter verbessern und läutern, unser Ich zähmen und Platz für G-tt schaffen, so dass er Teil unserer Existenz wird, dann werden wir neue Menschen, die das volle Potenzial der Tora erkennen.
Schabbat Schalom und schon jetzt Chag Sameach!
Das vierte der fünf Bücher Mosche wird auch Numeri („Zahlen“) genannt; aber im Hebräischen heißt es Bamidbar – „in der Wildnis“. Interessant ist, dass diese Parascha immer vor dem Fest Schawuot gelesen wird, das die Übergabe der Tora feiert. Wie hängt beides zusammen?
Eine der ersten Quellen, die von der Würde des Individuums spricht, ist der Tora-Abschnitt dieser Woche. Die Größe Adams, Noachs, der Patriarchen und Mosches ist allgemein bekannt. Das alles sind denkwürdige Namen.
Der Tora-Wochenabschnitt Bamidbar, der zugleich der erste Abschnitt des gleichnamigen Buches Bamidbar ist, geht üblicherweise dem Wochenfest Schawuot voraus. Die Parascha Bamidbar ist somit eine Vorbereitung auf das Wochenfest, welches an den Empfang der Tora am Berg Sinai erinnert.
Die Beziehung des Menschen zur Tora ist vielgestaltig und komplex. Gleich 3 Modelle versuchen eine Annäherung an diese Beziehung zwischen Erde und Himmel.
Warum der Countdown zum Schawuot-Feiertag? Was verbindet die Zahlen und das Zählen mit dem besonderen Geschenk, das unser Volk an diesem Feiertag erhalten hat?
Der Talmud erzählt, dass, als Mose in die „Himmel“ (spirituelle Welten) aufstieg um die Thora zu erhalten, die Engel vor G-tt klagten: „Was macht ein Sterblicher unter uns?“ G-tt antwortete: „Er ist hier, um die Thora zu bekommen“.