Bereschit
Lieber Leser,
zu Simchat Tora drängen sich Juden allen Alters auf der ganzen Welt in die Synagogen, singen und tanzen dort fröhlich und tragen die Torarollen auf ihren Schultern. Bei diesem freudigen Feste finden drei große Lieben ihren Ausdruck: "Ahawat HaSchem" (Liebe zu G-tt), "Ahawat HaTora" (Liebe zur Tora) und "Ahawat Jisrael" (Liebe zu allen Juden). Wir wollen heute einige chassidische Lehren über "Ahawat Jisrael" anführen, der Mizwa, die uns einschärft, uns gegenseitig aus vollem Herzen zu lieben.
Die Begründer und ersten Führer des Chassidismus sprachen oft über "Ahawat Jisrael". Der große "Maggid" (Prediger) von Meseritch, der Nachfolger des Baal Schem Tov, pflegte von seinen Schülern in "Arbeitsschichten" bedient zu werden. Während der "Schicht" von Rabbi Elimelech von Lisensk rief der Maggid ihm einmal zu: "Meilech! Höre doch, was sie in der Himmlischen Jeschiwa sagen. Sie sagen, dass 'Ahawat Jisrael' auch die Liebe zu einem absolut bösen Menschen einschließt, genauso wie man einen 'Zaddik', einen vollkommen Gerechten, liebt".
Der "Alte Rebbe", Begründer des Chabad-Lubawitsch-Chassidismus, ein Schüler des Maggid, beschrieb "Ahawat Jisrael" als die Liebe, die jeden Juden – "groß und klein" – einschließt, die Liebe, die Brüder verbindet, angeboren, instinktiv, "wesenhafte Liebe" (s. Tanja, Kap, 32), die nichts zu tun hat mit Aussehen, Benehmen oder persönlichem Auftreten und nicht davon betroffen ist.
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19, 18): das bedeutet, dass die Liebe zu einem anderen der Selbstliebe gleich zu sein hat. Selbstliebe ist nicht durch die Tugenden der eigenen Person bestimmt. Man denkt nicht: "Ich bin tüchtig, weise, gut und rechtschaffen und verdiene, geliebt zu werden; deshalb liebe ich mich selbst."
Selbstliebe beruht überhaupt nicht auf Charaktereigenschaften; sie ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil der Person und deckt daher auch die schlechtesten Charakterzüge zu. Wie König Salomon es ausdrückte: "Die (Eigen) liebe überdeckt alle Vergehen" (Sprüche Salomons 10, 12). Das besagt nicht, dass die Selbstliebe einen dazu bringt, seine Fehler nicht zu erkennen. Er erkennt sie wohl, aber er ist davon nicht betroffen – und dies ist genau die Art von Liebe, die wir, wie es uns die Tora gebietet, unserem Nebenmenschen erweisen sollen.
Chag Sameach und Schabbat Schalom
Die Abfolge der Feste ergibt erst Sinn, wenn man genauer hinschaut. Bei Simchat Torah sogar sehr genau.
Manchmal nimmt G‑tt eine Haltung der Gerechtigkeit ein, und manchmal nimmt er ausschließlich eine Haltung der Güte ein.
Mit Simchat Tora feiern wir den Abschluss des Jahreszyklus der wöchentlichen Toravorlesungen. An diesem Tage rezitieren wir den letzten Absatz der Tora und beginnen gleich darauf wieder mit Bereschit, dem Anfang der Tora.
Der Monat Tischrej lässt sich in zwei Abschnitte teilen: Die erste Hälfte des Monats (Rosch HaSchana, die zehn Bußtage und Jom Kippur) ist von Ehrfurcht, Bitternis und Ernsthaftigkeit geprägt. In der zweiten Hälfte des Monats wechselt sich die Stimmung und Sukkot, „das Fest unserer Freude“, beginnt.
Unser spirituelles Erwachen im 12. Schritt bringt uns zum ersten Schritt zurück. Er erinnert uns daran, dass unser jetziges spirituelles Leben mit Dunkelheit, Chaos und Leere anfing. Es ist nun unsere Aufgabe, unser Leben wieder mit Licht, Ordnung und Erfüllung anzureichern und dadurch positiv zu verändern.
Wie sollen wir nach all dem mit uns selbst leben?
„Warum“-Fragen sind oft weniger eine echte Suche nach der Wahrheit als vielmehr versteckte Anschuldigungen und Kritik.