Dwarim
Lieber Leser,
mit der heutigen Toravorlesung beginnen wir das fünfte Buch Moses, Deuteronomium, oder Dwarim auf Hebräisch. Dieses Buch Dwarim wird auch "Mischne Tora" genannt, das heisst: Wiederholung (Nochmals-Lernen oder Zusammenfassung) der Tora. Moses begann mit dem Vortrag dieses Buches am ersten Tage des jüdischen Monats Schwat.
Dieser für die Wiederholung der Tora gewählte Zeitpunkt war für das jüdische Volk besonders bedeutungsvoll, weil sie alle hierdurch für ihren Einzug in das Gelobte Land vorbereitet wurden. Während der Jahre ihrer Wüstenwanderungen waren ihnen all ihre Bedürfnisse, Speise, Wasser, Kleidung und Unterkunft, durch Wunder gesichert. Das köstliche Manna kam täglich herunter, Miriams Quelle versorgte sie ständig mit Wasser, während die Wolken der Herrlichkeit sie gegen alle Gefahren schützten, die Gebirgspfade ebneten und ihre Kleidung bewahrten.
Nunmehr waren die Israeliten dabei, dieser Wüste, in der sie jahrelang keine materiellen Nöte erlitten hatten, den Rücken zuzukehren und sich in einem Lande niederzulassen und einen Lebensweg einzuschlagen, die sie zwangen, selbst den Boden zu bearbeiten und all die anderen weltlichen Pflichten auszuüben. Jetzt war in der Tat der richtige Augenblick, ihnen die Tora nochmals vorzulegen; denn sie brauchten jetzt zusätzliche geistige Kräftigung und Eingebung, damit sie nicht in den auf sie zukommenden neuen Verhältnissen einer rein materialistischen Weltanschauung und folglich einer Niveau-Erniedrigung verfallen würden. Lag doch, im Gegenteil, der ganze Zweck ihrer Niederlassung im Heiligen Land darin, sie auf einen höheren Stand von Heiligkeit zu bringen und auch die völlig materiellen Dinge des täglichen Lebens zu vergeistigen - somit also alles Materielle in etwas Geistiges zu verwandeln, durch Tora, G-ttesdienst, Einhaltung der G-ttlichen Vorschriften, Wohltätigkeit und andere menschliche Liebesdienste.
Schabbat Schalom
Die erste Übersetzung der Thora wurde durch Mose durchgeführt. Dies geschah vor dem Eintritt in das Heilige Land. So erklären unsere Meister den Vers Mose begann die Erläuterung dieser Lehre: „In siebzig Sprachen erklärte er dem Volk die Thora.“ Er ordnete sogar dem Volk an, die Thora in siebzig Sprachen niederzuschreiben.
In unser multinationalen Gesellschaft sind Übersetzungen ein Teil des Lebens. Im Idealfall ermöglichen sie es Völkern mit völlig unterschiedlichen Denkweisen, sich zu verständigen. Aber sind Übersetzungen immer korrekt?
Der Schabbat, der dem 9. Aw vorausgeht, wird „Schabbat Chason“ genannt, da wir an diesem Schabbat ein Kapitel der Propheten (Jeschajahu 1:1 – 27) lesen, welches mit den Worten „Die Vision von Jeschajahu…“ beginnt.
In die Woche, die auf den Schabbat des heutigen Wochenabschnittes Dwarim folgt, fällt immer Tischa beAw, also der Fasttag des 9. Aw, der an die Zerstörung des Bet Hamikdasch, des Tempels in Jerusalem erinnert.
Beginnen wir mit der klassischen Definition der Enteignung, die erstmals im Buch Samuel erwähnt wird.