Kedoschim
Lieber Leser,
dieser Wochenabschnitt enthält das Gebot, das große Berühmtheit erlangt hat: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19, 18). Für den modernen Menschen hört sich diese Ermahnung manchmal nur wie ein frommer Wunsch an, ohne tiefere Bindung an die Realität des Lebens. Er denkt: "Wie kann erwartet werden, dass man eine Person trotz ihrer augenfälligen Unzulänglichkeiten wirklich liebt?"
Ein Heide kam einst zu dem berühmten Hillel mit dem Ersuchen, ins Judentum aufgenommen zu werden (Schabbat 31a). "Lehr mich die Tora, während ich auf einem Fuße stehe." verlangte er. Der weise Hillel erwiderte: "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu. Dies ist die ganze Tora, alles übrige ist Kommentar. Jetzt geh' hin und lerne!"
Hillel zog es vor, die Vorschrift der brüderlichen Liebe in negativer Form auszudrücken: "Tue nicht anderen an, was dir selbst verhasst ist." Weshalb lehrte er ihn nicht dieses Gebot in der einfachen, positiven Form, wie es in der Tora steht: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"?
Die Antwort darauf ist, dass Hillel, in seiner großen Weisheit, dieses Gebot in einer Weise auszudrücken für richtig hielt, wodurch die Vorschrift gleichzeitig erläutert und klar gemacht wird
Schabbat Schalom
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In eigener Sache: Die erste Ausgabe des Gebetsbuches "Tehillat Haschem" in Deutsch ist schon nach wenigen Wochen vergriffen gewesen. Wie Sie wissen hat auch unser Webseiten-Team intensiv, vorrangig in der Lektoriatsarbeit, an der Verwirklichung des Siddur mitgewirkt. Die zweite, überarbeitete Ausgabe kann absofort hier erworben werden.
In unserer Parascha Kedoschim finden wir die Worte: „Und Du sollst Deinen Nächsten wie Dich selbst lieben!“ Raschi, einer der großen Kommentatoren zum Chumasch kommentiert dazu: „Es sagte Rabbi Akiwa: Dies ist eine grosse (wichtige) Regel in der Tora!“
Kodesch sind die gewöhnlichen Dinge und Ereignisse des Lebens, jedoch getrennt das unerwünschten Aspekten, die sie verdünnen und schwächen.
Die absolute Notwendigkeit des Bewahrens jedes Lebens und besonders des menschlichen Lebens ist klares Gebot in unserem Wochenabschnitt, welches durch die eindeutige Warnung zum Ausdruck kommt: Blicke nicht weg, wenn dein Nächster stirbt!
In der Sidra Kedoschim spricht die Tora über Vorschriften für einen neuen angepflanzten Obstbaum; dazu gehört (Leviticus 19, 25): "Und erst im fünften Jahre dürft ihr seine Frucht genießen, damit er euch einen reichlicheren Ertrag liefere, Ich bin der Ewige, euer G-tt."
Sinn und Bedeutung der augenblicklichen Zeitspanne des "Omerzählens" lassen sich durch die folgenden Überlegungen erhellen: Pessach ist bekanntlich das Fest, an dem wir die Befreiung aus Ägypten feiern, am Schawuot-Feste gedenken wir der Entgegennahme der Tora am Berge Sinai.
Ein verehrter Rabbi reiste einmal zu einem jüngeren Rabbi, der für seine Frömmigkeit bekannt war. Der ältere Rabbi war sehr beeindruckt davon ...