Ki Tisa
Lieber Leser,
wir lesen in der dieswöchigen Sidra, dass Moses zu G-tt für die Israeliten betete, als diese sich mit dem Goldenen Kalb schwer versündigt hatten. Das mag uns veranlassen, mehr allgemein darüber nachzudenken, was "beten" eigentlich bedeutet; und so erscheint es angebracht, hierzu einige Gedanken vorzutragen.
Gewöhnlich wird das hebräische Wort "Tefilla" mit "Gebet" übersetzt. Diese Übersetzung gibt jedoch die genaue Bedeutung des Wortes nicht wieder; denn der Begriff "Beten" umfasst eigentlich nur ein Bitten, Ersuchen, Erflehen oder etwas Ähnliches, und dafür gäbe es an sich eine Reihe hebräischer Wörter, die einen solchen Gedankeninhalt klarer zum Ausdruck bringen. Nein, unsere täglichen "Gebete" sind nicht einfach Ersuche, mit denen wir G-tt "bitten", uns unsere täglichen Notwendigkeiten zu gewähren – und das wäre dann alles. Selbstverständlich sind derartige Bitten auch in unseren "Gebeten" enthalten, aber der Begriff von Tefilla hat, darüber hinaus, eine viel weitere, Ausdehnung.
Tefilla ist ein Gebot G-ttes. Er hat uns geboten, zu Ihm zu beten, und zu Ihm allein. In Zeiten von Wohlergehen müssen wir G-tt danken; und selbst wenn bei uns alles in bester Ordnung ist, müssen wir dennoch täglich erneut zu G-tt beten, dass Er uns gnädig gesinnt bleibt und uns weiterversorgt.
Schabbat Schalom
Unser Wochenabschnitt erzählt uns über die eigenartige Bitte Moses an G-tt: Zeige mir bitte Deine Herrlichkeit. Darauf erwidert ihm G-tt: Du vermagst nicht Mein Angesicht zu erblicken; du siehst Meinen Rücken, doch Mein Angesicht kannst du nicht sehen.
Vor einiger Zeit erschien ein Buch über den historischen Wahrheitsgehalt der Tora. Es prüft alle anderen historischen Dokumente, die man gefunden hat.
Wie konnten sie nach einer solchen Begegnung mit dem G-ttlichen ein Götzenbild verehren? Das ist eine uralte Frage, und der Talmud meint, die Juden seien im Grunde über solche Sünden erhaben gewesen und hätten sie nicht begehen dürfen.
Welcher Schaden ist größer: Finanzieller Verlust oder schlechte Nachrede? „Geld kann man entschädigen“ bemerkt schon der Talmud, „aber die Wunden die Wörter aufreisen können, sind irreparabel.“
Die Standardübersetzungen reichen von Dreistigkeit, Frechheit, Flegelei, Anmaßung, Schamlosigkeit, Unverfrorenheit, mit eiserner Stirn, Übermut bis zu Überheblichkeit. Chuzpa ist ein Wort, das einen gewissen kulturellen Sinnzusammenhang verlangt.
Stimmt es, dass derjenige, der Selbstmord begeht, nicht in den Himmel kommen wird? Aber wenn es keine jüdischen Hölle gibt, wo kommt man dann hin?