Lieber Leser,

eines der grössten Paradoxe in einem gläubigen Leben betrifft die Notwendigkeit, für einen Lebensunterhalt zu arbeiten. Wenn G-tt die Quelle alles Segens ist, wozu müht man sich ab um ein Einkommen zu verdienen? Und wenn wir arbeiten, wie können wir dann den Gedanken vermeiden, dass es einzig unsere Arbeit ist, die materielle Ergebnisse liefert? Wir scheinen zerrissen zu sein zwischen absoluter Passivität und dem Leugnen von G-ttes Wirken in der Welt.

Also begibt sich ein gläubiger Mensch auf einen Weg, den man „passive Arbeit“ nennen kann. Am Beginn des Wochenabschnitts „Wajakhel“, fordert Moses das Volk Israel auf:

Sechs Tage soll Werk getan werden, doch am siebenten Tag soll dir ein heiliger Tag sein, ein Schabbat der Schabbate für G-tt...

Es heisst hier nicht „Sechs Tage sollst du arbeiten“, sondern „Sechs Tage soll Arbeit getan werden“. Die passive Form lässt anklingen, dass sogar während der sechs Werktage der Woche, wenn es Juden erlaubt ist und sie verpflichtet sind zu arbeiten, sie zwar beschäftigt aber nicht überbeschäftigt sein sollen mit materiellem Streben.

Schabbat Schalom