Lieber Leser,

in der Sidra dieser Woche – Mischpatim ("Rechssachen") – sind die Vorschriften enthalten, die im großen und im allgemeinen des jüdische Recht ausmachen.

Jüdisches Recht und jüdischer Brauch können in drei Kategorien eingestuft werden:

"Rechtssachen" – Das sind zivilrechtliche Bestimmungen, an sich für jede Gemeinschaft grundlegend, wie die Verbote zu töten, zu stehlen usw. Der Menschheit hätte (so ist jedenfalls zu hoffen) die Wichtigkeit dieser Gesetze an sich eingeleuchtet, selbst wenn die Tora sie nicht ausdrücklich postuliert hätte.

"Zeugnisse" – Diese beziehen sich auf den Schabbat, die Feste und dergleichen. Hätte die Tora uns nicht die Einhaltung dieser Klasse von Vorschriften geboten, so wären diese uns nicht von selbst eingefallen. Immerhin jedoch können wir, nachdem sie einmal in der Tora aufgestellt worden sind, die Gründe für ihre Beachtung verstehen.

"Satzungen" – Das sind Anordnungen wie z.B. Kaschrut und die anderen Speisevorschriften, für die es keine rationellen Gründe gibt; sie müssen befolgt werden, weil es uns nun einmal so geboten worden ist.

Die dieswöchige Sidra nun – die betont, dass die "Rechtssachen" zusammen mit den "Satzungen" am Berge Sinai verkündet worden sind – lehrt uns, dass auch die leicht einleuchtenden Vorschriften mit derselben Unterwürfigkeit und Bereitwilligkeit befolgt werden müssen wie die "die Vernunft übersteigenden" Anordnungen. Denn es kann doch kein Zweifel daran bestehen, dass unser begrenzter menschlicher Verstand nur die äußerste Oberfläche dessen berühren kann, was den wahren Sinn der G-ttlichen Gesetze kennzeichnet.

Schabbat Schalom