Wajeze
Lieber Leser,
in unserem modernen Zeitalter scheinen sich viele von uns zu folgenden Fragen veranlasst zu sehen: "G-tt hat uns viele Gebote auferlegt. Wohin man sich auch wendet, überall ist immer ein positives Gebot zu erfüllen oder ein Verbot zu beobachten. Wenn es G-tt gefällt, uns die Einhaltung so vieler Gebote und Gebräuche vorzuschreiben, warum macht Er uns die Bürde dann nicht ein bisschen leichter? Warum hat Er es uns nicht leichter gemacht, unseren Lebensunterhalt zu verdienen? Hätten wir nicht so viele Sorgen und Verantwortungen auf uns lasten, dann wäre es uns eher möglich, Seine Mizwot auszuüben. Nein, noch mehr: Warum hat G-tt es nicht so gefügt, dass wir ganz von der Welt abgesondert leben können, in einer ruhigen, vergeistigen Atmosphäre von Tora-Studium und Gebeten? Warum will Er, dass wir in der Welt leben, als Glieder der menschlichen Gesellschaft, und dabei doch Seine Vorschriften erfüllen – in anderen Worten, dass wir ein spirituelles Leben in einer materiellen Welt führen?"
Diese ganze Fragestellung ist eine direkte Parallele zu einer Frage, die wir hinsichtlich Jakobs Reise von Beerscheba nach Haran aufwerfen können. Jakob sollte der "Erwählte der Stammväter" werden, zwölf Söhne zeugen und diese so aufziehen, dass sie sich als die Häupter der erhabenen zwölf Stämme Israels eignen würden. Sie mussten auf jeden Fall eine spirituelle Erziehung genießen. Der für diese Erziehung günstige Atmosphäre und Umgebung wäre doch sicherlich die von Beerscheba gewesen. Doch die Tora zeigt das gerade Gegenteil an. Jakob musste Beerscheba verlassen und die Familie der zwölf Stämme in Haran großziehen, im Hause des heimtückischen Laban, wobei er gleichzeitig unter den schwersten Verhältnissen als Hirte sein Brot verdienen musste!
Dennoch, und ungeachtet dieser starken Hindernisse, brachte Jakob er fertig, das "Haus Israel" zu gründen, und zwar derart, das alle seine Kinder perfekt waren. Darin lag der Gegensatz sowohl zu Abraham, der (neben Isaak) auch den Ischmael zeugte, wie auch zu Isaak, dessen älterer Sohn der nichtwürdige Esau war.
Hier denn haben wir die eindeutige Antwort auf die obigen Fragen. Das beste Öl kommt dann aus der Olive, wenn diese zerstoßen und stark gepresst wird. Ähnlich ergeht es dem Juden: Wenn er dadurch geprüft wird, dass er sich fremden Einflüssen von allen Seiten ringsum ausgesetzt sieht, dann erst kommen seine besten Eigenschaften zu ihrem Recht. Und wenn er die Prüfung besteht, dann kann er das "Haus Israel" aufbauen – ein jüdisches Heim gründen, in dem Licht und Wärme von Tora und Mizwot ausstrahlen.
Schabbat Schalom
Ein berühmter Ausspruch von Rabbi Israel Baal Schem Tow lautet: „Das physische Leben eines Juden ist spiritueller Natur.“ Das hört sich gut an; aber was bedeutet es?
Am Anfang des Leseabschnittes »Wajeze« heißt es, dass Jakov aus Be’er Scheva wegzog und nach Charan ging. Auf den ersten Blick enthält dieser Satz eine überflüssige Information.
Wie unendlich ist die Tora? Wie oft können Sie eine Passage lesen und jedes Mal etwas Neues daraus lernen? Natürlich lesen manche Menschen die Tora ihr Leben lang.
Die erste in der Tora erwähnte Hochzeit ist die von Isaak und Rebekka; dort aber werden eigentlich nur die Vorbereitungen dazu beschrieben. Jakobs Heirat dagegen, die in der dieswöchigen Sidra geschildert wird, ist die erste, über die die Tora Einzelheiten vorträgt.
„Ich habe mich am Ende durchgesetzt!“ verkündete stolz mein Freund nach dem Ausgang eines langen andauernden Rechtsstreits mit einem gemeinsamen Freund von uns. „Er wird sich nie wieder mit mir anlegen.“, fügte er hinzu. „Freust du dich nicht für mich?“
Sokrates, der große griechische Philosoph sagte einst zu seinem Lehrling: "Ich rate dir, zu heiraten. Wenn du eine gute Frau findest, wirst du glücklich werden und wenn nicht, dann wirst du Philosoph."
Solange Sie immer nur Geben, ohne etwas zurück zu verlangen, kann sich Ihre Frau bei Ihnen keinen Platz erobern.