Schmini Azeret
Lieber Leser,
mit Simchat Tora feiern wir den Abschluss des Jahreszyklus der wöchentlichen Toravorlesungen. An diesem Tage rezitieren wir den letzten Absatz der Tora und beginnen gleich darauf wieder mit Bereschit, dem Anfang der Tora. Demgegenüber feiern wir am Schawuotfeste die Entgegennahme der Tora am Berge Sinai. Die Frage stellt sich: Weshalb freuen wir uns mit der Tora mehr zu Simchat Tora als am Schawuot?
Zu dem Zeitpunkt, als die Tora am Sinai verkündet wurde, war das jüdische Volk auf dem Höhepunkt spiritueller Vervollkommnung angelangt. Sie waren Zaddikim, absolut gerechte Menschen, bevor sie die ersten steinernen Tafeln entgegennahmen, und jede Spur von Sünde war ausgetilgt. Einige Zeit später, nachdem sie sich durch das Anbeten des Goldenen Kalbes schwer versündigt hatten, wurden sie zu Baale Tschuwa, von ehrlicher Reue erfüllt. Dadurch wurden sie für würdig befunden, die zweiten Tafeln entgegenzunehmen, und zwar am Jom Kippur.
Die ersten Tafeln erhielten die Zaddikim bei Donner und Blitz, Himmel und Erde erbebten; diese jedoch waren nicht von Dauer, sondern sie wurden bald zerbrochen, als es zur Anbetung des Goldenen Kalbes gekommen war. Als die zweiten Tafeln am Jom Kippur dem Volke übergeben wurden, ging dies sehr ruhig vonstatten - Symbol der stillen Aufrichtigkeit des Baal Tschuwa, einer Ehrlichkeit, die wahrhaft, anhaltend und unauslöschlich ist, die Gedanken und Herz des Juden erfüllt und seine ganze Lebensweise bestimmt. Und diese zweiten Tafeln waren von Dauer.
Aus diesem Grunde ist unsere Freude so sehr lebhaft am Simchat Tora, welches doch bald auf den Jom Kippur folgt, auf den höchsten Tag reuiger Umkehr.
Schabbat Schalom und Chag Sameach
Der uns allen bekannte Anblick in einem jüdischen Lehrhaus: schaukelnde Juden vor offenen Büchern. Zwar kennen die wenigsten den Grund dieses „Hin-und-Her“, aber allen ist sofort klar: Hier handelt es sich um Thora lernende Juden.
Die sechs Tage zwischen Sukkot und Schmini Azeret (in der Diaspora sind es fünf Tage) sowie die fünf Tage zwischen dem ersten Tag und dem letzten Tag von Pessach (in der Diaspora sind es vier Tage) werden Chol Hamoed genannt.
„Ich liebe meine Frau“, sagte Berl, „deshalb tu ich alles, worum sie mich bittet. Sie sagt: ‚Berl, nimm bitte den Mistkübel hinaus‘ und sogleich nehme ich den Mistkübel hinaus.“
Zur Zeit des Tempels erreichten die Festlichkeiten von Sukkot ihren Höhepunkt in der grenzenlosen Freude, welche die Feier des Wasserschöpfens begleitete.
Das große Finale des Sukkot-Festes ist Simchat Tora. Daraus ergeben sich zwei Fragen. Warum verleihen wir unserer Freude nicht direkt nach dem Schawuot-Fest Ausdruck (, da dies doch den Empfang der Tora feiert)? Worüber sind wir so glücklich?
Mosche Rabbenu befahl, dass die Tora an jedem Schabbat gelesen werde. Spätere Autoritäten legten fest, welche Abschnitte (Sidrot) an welchem Schabbat gelesen werden sollen und an welchem Schabbat die Tora anfängt und endet.