In einem Dorf nahe der Stadt Zans lebte ein frommer Mann, der seinen Lebensunterhalt aus den Einnahmen von seinem Restaurant und einem kleinen Hotel verdiente. Als eines Tages ein ärmlich aussehender Mann mit zerrissenen Kleidern an seine Tür klopfte, nahm er ihn freundlich auf, gab ihm zu essen und zu trinken und behandelte ihn sehr anständig. Als der Mann wieder gehen wollte, offerierte ihm der Gastgeber eine kleine Geldsumme für Almosen, welche der Mann jedoch mit der Bemerkung zurückwies, er sei in Wirklichkeit ein reicher Mann und nehme keine Almosen an.

Als der Gast den erstaunten Ausdruck seines Gasgebers sah, begann er zu erzählen: Er sein ein reicher Mann mit viele Feldern und Grundstücken. Als ihm eines Tages eine grössere Geldsumme entwendet worden sei, fiel der Verdacht auf ein armes Waisenkind, welches bei ihm Arbeit verrichtete. Als das Mädchen nicht gestehen wollte, wurde sie zum Polizeihauptmann gebracht, der ihr Schläge verabreichte, um sie zu einem Geständnis zu zwingen, doch sie blieb dabei, dass sie nichts gestohlen habe. Wenig später erkrankte das Mädchen an den Wunden und Schmähungen und verstarb. Zwei Wochen nach ihrem Tod stellte sich heraus, dass sie tatsächlich unschuldig gewesen war, da die wahren Täter überführt werden konnten.

Mit zerbrochenem Herzen besuchte der reiche Mann nun den berühmten Rabbi Meir von Premischlan, dass dieser ihm einen Weg zeigen solle, wie er diese schreckliche Sünde, die er sich aufgeladen habe, sühnen könne.

Rabbi Meir gab ihm drei Möglichkeiten:
1) Er werde sofort sterben und dadurch die zukünftige Welt nicht verlieren.
2) Er werde drei Jahre lang sehr krank im Bett liegen.
3) Er werde drei Jahre lang ins Exil gehen.

Da ihm alle drei Varianten als zu streng erschienen, konnte er sich für keine entscheiden und ging nach Hause. Kurz danach wurde er schwer krank und fühlte sein Ende nahen. Er verstand, dass für ihn die erste Variante gewählt worden war und schickte sofort ein Telegramm an Rabbi Meir, dass dieser für ihn beten solle und er nach seiner Genesung wiederkommen werde, um eine andere der drei Varianten anzunehmen.

Nach seiner Genesung kamen er und Rabbi Meir gemeinsam zum Entschluss, das Exil sei für ihn die beste Lösung. Rabbi Meir lehrte ihn, was Exil bedeutet: Er musste all seine reichen Kleider beim Rabbi hinterlassen und erst drei Jahren später wieder abholen. In der Zwischenzeit durfte er nur die ärmlichen Kleider tragen, welche ihm der Rabbi mitgab, musste ständig umherwandern und durfte nie mehr als zwei Tage am selben Ort verbringen. Zudem durfte er nie um Essen oder Geld betteln, sondern musste immer warten, bis es ihm offeriert wurde. Auch durfte er nie in einem Wagen mitfahren, sondern musste stets zu Fuss wandern. Seine Frau dürfe er einmal im Jahr ausserhalb der Stadtgrenze sehen, damit sie ihm über seine Geschäfte Bericht erstatten könne. Falls das Geschäft schlecht gehe, was jedoch nicht geschehen werde (versicherte ihm der Rabbi), dürfe er sein Exil abbrechen. Am Ende der drei Jahren solle er den Rabbi wieder besuchen, um sich von ihm Instruktionen für sein weiteres Verhalten geben zu lassen und seineKleider abzuholen.

Der Mann hatte nun diese Disziplin zwei Jahre lang befolgt und hatte gehört, dass Rabbi Meir gestorben sei. Er sei nun auf dem Weg nach Zans, wo auch ein grosser Mann lebe, (Rabbi Chajim von Zans), den er fragen wolle, was er nun, da Rabbi Meir gestorben war, tun müsse. Der Wirt, der nun auch die Antwort des Rabbi Chajim hören wollte, reiste mit dem Mann nach Zans und hörte, wie der Rabbi ihm folgenden Auftrag gab: Er könne sein Exil beenden, auf dem Heimweg jedoch solle er beim Grab des Rabbi Meir anhalten und diesem sagen, dass Chajim von Zans gesagt habe, zwei Jahre seien auch genug, da er die Regeln mit grösster Sorgfalt und mit grosser Selbstaufopferung befolgt habe.