Ein Schüler von Rabbi Pinchas von Korez reiste jedes Jahr zu seinem Rebbe, um mit ihm einen Schabbat zu verbringen und unter vier Augen mit ihm zu reden. Einmal, als der Chassid das Zimmer des Rebbe betrat, rief dieser aus: „Was ist denn auf deinem Weg hierher geschehen? Ich sehe, dass das Licht einer edlen Tat dein Gesicht erhellt!“ Der Chassid erzählte:

Auf meiner Reise verspürte ich plötzlich Hunger. Also bat ich den Kutscher, an einer Herberge anzuhalten, die ein Jude betrieb. Dieser hat mich voriges Jahr sehr gastfreundlich aufgenommen. Doch kaum war ich eingetreten, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Der Wirt und seine Söhne liefen aufgeregt herum, und dem Haus schien Unheil zu drohen.

Als der Wirt mich an der Tür sah, begrüßte er mich eilig, führte mich an einen Tisch und brachte mir einen Kuchen und ein Glas Wodka. „Tut mir leid, Freund“, entschuldigte er sich, „dass ich dir diesmal keine anständige Mahlzeit servieren kann. Du bis in einer sehr schweren Zeit gekommen. Meine Tochter liegt seit drei Tagen in den Wehen, und der Arzt hat jede Hoffnung aufgegeben, dass sie und das Kind überleben.“

Meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich vom Kummer dieses Juden hörte. Dann hatte ich eine Inspiration. Ich sprang auf, nahm den Kuchen und das Glas Wodka und sagte tief bewegt: „Vater im Himmel! In diesem Augenblick erfüllt dieser Mann die Mitzwa hachnassat orchim, weil er gastfreundlich ist. Er befolgt diese Mizwa mit diesem Kuchen, mit diesem Wodka und mit mir. Bei der Kraft, die mir als dem Ziel der Mizwa zuströmt, und als Instrument des g-ttlichen Willens erkläre ich hiermit, dass die Tochter dieses Mannes unverzüglich einem gesunden Kind das Leben schenken und selbst wohl und gesund sein soll!“

Wenige Augenblicke später hörte ich aus dem Schlafzimmer das Weinen eines neugeborenen Kindes, und im ganzen Haus riefen die Leute „Masel tow!“