„To Sir, With Love“ ist ein Filmklassiker aus den 60er Jahren, der die Geschichte eines neu eingestellten Lehrers erzählt, der versucht, eine Klasse zu unterrichten, die für ihr ungebändigtes, unverbesserliches und manchmal gewalttätiges Verhalten bekannt ist. Nach einigen Rückschlägen wendet er eine neue Strategie an: Er behandelt die Schüler wie Erwachsene und lässt sie über Themen ihrer Wahl diskutieren.

Als erwachsene Menschen besteht er darauf, dass die Schüler angemessene Anredeformen verwenden (sowohl ihm gegenüber als auch untereinander) und auf ihr Erscheinungsbild und ihr Auftreten achten.

Es ist ein mühsamer Weg, doch nach und nach lassen sich die Schüler überzeugen und stellen fest, dass sie sich wirklich verändert haben.

Tatsächlich hängt ein Großteil unseres Verhaltens eng damit zusammen, wie wir uns selbst wahrnehmen.

„Seid heilig!“

Die Parascha Kedoschim enthält viele verschiedene Mitzwot, beginnt jedoch mit einem besonders ehrgeizigen Gebot:

Rede zur ganzen Gemeinde der Kinder Israels und sage zu ihnen: „Ihr sollt heilig sein, denn ich, der Herr, euer G‑tt, bin heilig.“1

Was bedeutet es: „Ihr sollt heilig sein“?

Der Midrasch kommentiert:

„Ihr sollt heilig sein“: Kann man glauben, man könne heilig sein wie G‑tt? Die Tora sagt uns daher: „denn ich, der Herr, euer G‑tt, bin heilig“; [das heißt:] Meine Heiligkeit übersteigt eure Heiligkeit. 2

Die einfache Lesart dieses Textes ist, dass der Midrasch die Lücken zwischen den Zeilen des Verses ausfüllt: „Seid heilig – aber glaubt nicht, ihr könntet so heilig sein wie Ich – denn Meine Heiligkeit übertrifft die eure.“

Aber ist das nicht offensichtlich? Kein Witz, G‑tt ist heiliger als wir! Warum müsste uns der Midrasch das sagen?

Der große Ruzhiner Rebbe, Rabbi Yisrael Friedman,3 spielte mit den Worten des Midrasch und entwickelte daraus ein gegenteiliges Thema (im Hebräischen kommt es besser zur Geltung, lesen wir es also mit der Übersetzung):

„קְדֹשִׁים תִּהְיוּ – ihr sollt heilig sein.“ G‑tt sagt dem Juden, dass er oder sie kann heilig und g-ttgleich sein.

„יכול כמוני – es ist möglich, heilig zu sein wie G‑ttes Heiligkeit!“ In dieser Auslegung liest der Ruzhiner diese Zeile als Aussage, nicht als Frage.4

Wie? „תִּלמוֹד לומר – übe dich darin, zu sagen …“ 5

„כי קדוש אני – Ich bin heilig.“

Diese Lesart liefert einen tiefgreifenden Einblick darin, wie wir auf der guten Seite bleiben können.

Es kommt letztlich darauf an, wie du dich selbst siehst.

Wenn man nicht viel von sich hält, warum sollte man sich dann überhaupt an irgendeinen Maßstab halten? Mach ruhig, was du willst; wen interessiert schon, was andere denken?

Wenn man sich jedoch als jemanden betrachtet, der Respekt und Würde verdient, als eine Person, der ungebührliches Verhalten schlichtweg nicht zusteht, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als es zu vermeiden.

Die Chassidim von einst drückten dies in drei goldenen jiddischen Worten aus: „es past nisht!“, was (wenn auch nicht ganz wörtlich) übersetzt so viel bedeutet wie: „Ich bin besser als das!“

Mordechai Liepler, einer der größten Schüler des ersten Rebben von Chabad, bemerkte einmal, dass sein Stolz es ihm ermöglichte, dem Drang zu widerstehen, Versuchungen nachzugeben. Als seine überraschten Freunde ihn fragten, was er damit meine, erklärte er: „Wenn ich geschäftlich zu den großen Märkten in St. Petersburg reise und all die glänzenden Gegenstände dort sehe und mich von Versuchungen angelockt fühle, sage ich mir: ‚Mottel! Du bist ein Gelehrter, einer der größten Anhänger des Rebben. Wie kannst du dich zu so etwas Niedrigem herablassen?!‘ “6

Kinder des Königs

Das ist etwas, dem wir alle nacheifern können. Auch wenn wir vielleicht keine herausragenden Gelehrten wie Mordechai Liepler sind, besitzen wir doch einen enormen Wert. Allein die Tatsache, dass G‑tt beschlossen hat, dass du geboren werden sollst, und dich mit dem Auftrag der Tora und Mitzwot in diese Welt gesetzt hat, bedeutet, dass Er großes Vertrauen in dich setzt. Vielleicht denkst du, du seist nur ein ganz normaler Hans, Karl oder Peter, aber wenn du einen Moment darüber nachdenkst, wirst du erkennen, dass du tatsächlich ein Kind G-ttes mit einer gewaltigen Aufgabe bist.

Das sollte dir Auftrieb geben. Du bist eine wirklich große Nummer, und alles Unangemessene ist dir schlichtweg unter deiner Würde. Ja, du solltest dich selbst ein bisschen ernst nehmen, gestärkt durch das Wissen, dass G-tt selbst von dir erwartet, dass du deine Aufgaben erfüllst. Du hast keine Zeit, dich von Ablenkungen aufhalten zu lassen. Du wirst dich auf bessere, bedeutungsvollere Dinge konzentrieren.

Alle Eltern kennen diese einfache Wahrheit: Der Weg, Kinder zu erziehen und einen gesunden und produktiven Lebensstil zu fördern, besteht darin, ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Ihnen schon von klein auf zu vermitteln, dass sie wichtig und bedeutungsvoll sind und dass ihre Handlungen daher keine sinnlosen Versuche in den Wind sind.

Du bist sehr wichtig, und du besitzt einen unermesslichen Wert.

Nun mach dich daran, danach zu handeln. Gestalte deine nächsten Schritte sinnvoll, zielgerichtet und so, dass du stolz darauf sein kannst. Tappe nicht in die Falle der Faulheit: „Ach, wen interessiert’s schon, ich mache einfach, was ich will.“ Es hängt viel von dir ab, denn du bist heilig, heilig, heilig.

Das hat dir G‑tt selbst gesagt.