Im Buch Numeri berichtet die Tora, wie die Juden von den Völkern angegriffen wurden, die am Ostufer des Jordans lebten. Die Juden wehrten sich, und nachdem sie den Krieg gewonnen hatten, blieb ihnen ein riesiges Stück Land außerhalb der ursprünglich vorgesehenen Grenzen Israels.
Dieses Land war gutes Weideland. Zwei der zwölf Stämme, Ruben und Gad, besaßen eine große Anzahl von Schafen. Sie beschlossen, sich am Ostufer des Jordans niederzulassen, anstatt mit den anderen Juden weiter ins Kernland Israels zu ziehen.
Mosche war verärgert. Er argumentierte, dass die anderen Juden daraus schließen würden, der wahre Grund, warum Ruben und Gad nicht weiter nach Israel ziehen wollten, sei die Angst, von den mächtigen Kanaanitern getötet zu werden. Diese Angst würde sich ausbreiten, und bald würden alle Juden in Panik geraten und sich weigern, sich in Israel niederzulassen.
Um diese Bedenken auszuräumen, versprachen Ruben und Gad, sich den anderen Juden auf ihrer Reise nach Israel anzuschließen und sogar die jüdische Armee bei der Eroberung des Landes anzuführen. Erst nachdem sich die anderen Juden sicher niedergelassen hätten, würden Ruben und Gad in ihr Land am Ostufer zurückkehren. Mosche nahm ihr Versprechen an und übergab Ruben und Gad das Land östlich des Jordans. Er sprach auch einem Teil des Stammes Menasche einen Teil dieses Landes zu – obwohl dieser nie darum gebeten hatte!
Das ist eine merkwürdige Sache. Wenn Mosche verärgert über Ruben und Gad war, weil er es für falsch hielt, dass sich Juden außerhalb des eigentlichen Israels niederließen, warum sollte er dann der Familie von Menasche das Land aufdrängen?
Aber in Wahrheit war Mosche nicht verärgert über Ruben und Gad, weil sie sich entschieden hatten, sich am Ostufer niederzulassen; er war lediglich besorgt, dass die anderen Juden ihre Entscheidung als Mangel an Mut interpretieren und sich dadurch Angst ausbreiten könnte. Sobald dieses Problem gelöst war, hatte Mosche keine Bedenken mehr.
Tatsächlich gab es einen sehr edlen und idealistischen Grund, sich am Ostufer niederzulassen. Die Tora sagt uns, dass das Land Israel im Laufe der Zeit wachsen und die umliegenden Gebiete mit einschließen sollte. Schließlich dehnte sich Israel bis zum Euphrat aus. Und in der Zeit des Moschiach wird die Heiligkeit des Landes Israel die ganze Erde umfassen!
Wenn unsere Weisen sagen, dass sich die Grenzen Israels ausdehnen werden, geht es dabei nicht um materiellen Gewinn. Vielmehr besteht der Zweck darin, dass die spirituellen Werte, die Israel verkörpert, schließlich Menschen auf der ganzen Welt inspirieren werden.
Israel sollte ein Land sein, in dem Juden die in der Tora liegenden edlen Lebensideen in die Praxis umsetzen können.
Es ist eine große Herausforderung, der Welt das Wertesystem des Judentums näherzubringen, da unsere Ziele so unterschiedlich sind. Das Motto der Welt lautet: „Zeit ist Geld“; ein Jude lebt nach dem Motto: „Zeit ist (eine Gelegenheit,) Mizwot zu tun.“
Ruben und Gad machten einen ersten Schritt, um die Heiligkeit Israels nach außen zu tragen, indem sie das Ostufer des Jordans zu einem Teil des Heiligen Landes machten. Es liegt an uns, diese Aufgabe fortzusetzen. Wenn wir vorbildliche Menschen und gute Juden sind, werden auch wir „die Denkweise Israels“ verbreiten und eine Inspiration für die ganze Welt sein.
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