Wajigasch
Lieber Leser,
der Name des Wochenabschnitts Wajigasch bedeutet "und er kam näher". Er betont den Zusammenhang zwischen der Botschaft und der Art und Weise, wie sie übermittelt wird.
Josef hat eine verwirrende Reise hinter sich. Er wurde von seiner Familie getrennt, war im Gefängnis, deutete die Träume des Pharaos und wurde Herrscher Ägyptens. In dieser Rolle begegnet er “zufällig” (als ob es Zufall gäbe!) seinen Brüdern. Sie sind während der sieben Hungerjahre nach Ägypten gekommen, um Korn zu kaufen.
Josef erkennt sie sofort, aber sie erkennen ihn nicht, da er das Gewand seines Amtes trägt. Zunächst sagt Josef ihnen nicht, wer er ist. Doch als sein Bruder Jehuda zu ihm geht und sagt: “Mögen meine Worte bei dir Gehör finden”, verliert er die Selbstbeherrschung und weint.
In der Psychologie gibt es einen Ausdruck, der “Verstärkung” heißt. Wenn Sie Ihrem Kind bei den Schularbeiten helfen, hat es die Aufgaben nicht nur gesehen, sondern auch gehört. Die zusätzliche Erklärung verstärkt die Wirkung.
Als Jehuda zu Josef ging, fügte er seinen Worten eine körperliche Handlung hinzu und verstärkte dadurch ihre Wirkung. Das ist eine Metapher für die Annäherung der materiellen Welt an die spirituelle.
Vielleicht fühlen Sie sich eins mit allen anderen Kindern G–ttes. Aber wie drücken Sie diese Einheit aus? Durch Worte. Durch die Tat. Und beides ist noch wirksamer.
Wenn wir im Schma Jisrael sagen, “Der H-rr ist eins”, so bedeutet das nicht nur, daß er einzigartig ist, sondern auch, daß die gesamte Existenz mit ihm eins ist. Das ist jedoch nicht immer offensichtlich.
Wenn wir die spirituelle Welt der materiellen Welt näherbringen wollen, müssen wir es wissen, sagen und tun, alles zusammen. Und zwar jetzt.
Schabbat Schalom
Nachdem Jakow erfuhr, dass sein Sohn Josef noch am Leben war, machte er sich mit seiner Familie auf, nach Ägypten zu ziehen. Doch zuvor schickte er seinen Sohn Jehuda nach Goschen, jene Stadt, in welcher sich seine Familie ansiedeln sollte. Der Midrasch erklärt den Sinn seiner Aussendung: „Um eine Thoraschule einzurichten.“
Wir alle werden manchmal ungerecht behandelt. Dann sind Wut und Rachegefühle zwar natürliche, aber auch negative und oft zerstörerische Reaktionen. Und im Gegensatz zu Josef sehen wir oft nicht die positiven Folgen der Ungerechtigkeit.
In der dieswöchigen Sidra wird erzählt, wie Josef sich seinen Brüdern zu erkennen gab und so sich mit ihnen wieder vereinte (Genesis 45, 3).
Wir wissen alle von Musikunterricht oder Fahrstunden, denn diese Fertigkeiten müssen gelernt werden. Aber Unterricht im Sehen? Sehen ist etwas, womit eine gesunde Person geboren wird, mit der Fähigkeit, es automatisch zu tun; wozu würde da jemand Unterrichtsstunden brauchen?
Chanukka ist eine Zeit, in der ich an meine Mutter denke. Es sind erst zwei Jahre seit ihrem Tod vergangen, bei meinem Vater ist es schon wesentlich länger her. Dies ist nun das dritte Jahr ohne eine Chanukka-Party im Haus meiner Mutter.