Wajera
Lieber Leser,
in der dieswöchtigen Sidra Wajera berichtet die Tora das folgende: "G-tt enthüllte sich ihm (Abraham) im Haine von Mamre, als er (Abraham) am Eingang seines Zeltes in der Tageshitze saß. Und er erhob seine Augen und sah – drei Männer standen nahe bei ihm; und er lief ihnen vom Eingang des Zeltes entgegen, und er beugte sich nieder bis zur Erde."
Dazu kommentiert Raschi, dass Abraham, nunmehr 99 Jahre alt, sich gerade von seiner Beschneidung erholte. Die Sonne brannte so heiß, dass die Menschen sich nicht auf den Weg machen wollten, um zu reisen; und damit blieb Abraham (angesichts seines augenblicklichen Gesundheitszustandes) die Unannehmlichkeit erspart, sich vorüberziehenden Gästen zu widmen und ihnen seine normale, bewährte Gastfreundschaft zu zeigen. Als G-tt dann jedoch sah, wie betrübt Abraham war, dass er keine Gäste bewirten konnte, sorgte Er dafür, dass ihm jene drei "Männer" erschienen (es waren "Malachim", gewöhnlich übersetzt mit "Engel"), so dass er also die ihm lieb gewordene, große Mizwa von Gastfreundlichkeit erfüllen konnte.
Obwohl G-tt in dem Augenblick gerade "bei" Abraham war, bat Abraham Ihn zu "warten", und er lief vorwärts, um seine Gäste zu begrüßen. Aus diesem sehr bemerkenswerten Verhalten ziehen unsere Weisen diese Schlussfolgerung: "Gäste willkommen zu heißen und zu empfangen, ist noch größer als G-ttes Allgegenwart willkommen zu heißen und zu empfangen."
Schabbat Schalom
Ich lese, wie Lot gerettet wird und seine Frau sich in eine Salzsäule verwandelt. Und ich versuche, mein Leben in diesen Worten wiederzufinden. Natürlich möchte ich das lieber nicht sehen, denn die Verbindung ist zu intensiv, zu real, zu wahr.
Keine Sünde ist gut, aber Sünden gegen unsere Mitmenschen sind die schlimmsten. Der Allmächtige wird diejenigen, die ihn missachten, weitaus gnädiger betrachten, solange sie ihre Mitmenschen respektieren.
Wie G‑tt uns zeigt, dass die Frage, ob jemand oder etwas schuldig und unschuldig ist, fast nie so eindeutig ist, wie es scheint.
In den ersten Versen der dieswöchige Sidra wird geschildert, wie Abraham, der Stammvater der Juden, sich von den Nachwehen seiner Beschneidung erholte.
Nach der gewaltigen Welle fröhlicher Telefonanrufe an Ihre Familie und Ihre Freunde, ertappen Sie sich plötzlich dabei, wie Sie Ihr kleines Baby zum ersten Mal halten. Sie blicken ganz bewegt auf den Kleinen. Sie sehen in diesem neuen, klitzekleinen menschlichen Leben einen potentiellen zukünftigen Fortbestand der Familie.