Ki Tisa
Lieber Leser,
wir feiern Purim, weil G-tt die Juden durch ein Wunder von dem damaligen Edikt der völligen Ausrottung gerettet hat.
Nach dem natürlichen Stand der Dinge war jene persische Ära eine der sorgenlosesten in der jüdischen Diaspora-Geschichte. Die Juden spielten eine wichtige Rolle im Regierungswesen, war doch Mordechai, Vorsitzender des Sanhedrin (des jüdischen Gerichtshofes), auch ein Staatsbeamter, der unter den Versammelten "am Tore des Königs" saß. Esther war die Gemahlin des Königs.
Was sich aber in Wirklichkeit abspielte, war das genaue Gegenteil: Gerade in jener Epoche vermeintlicher Sicherheit wurde das Dekret erlassen, alle Juden zu vernichten und niederzumetzeln, "jung und alt, Kinder und Frauen, alle an einem Tage". In der ganzen Geschichte ist dies der schlimmste Erlass, der je gegen Juden ergangen ist.
Sogar unter Pharao, als es völlig aussichtslos war, aus Ägypten zu entkommen, erstreckte sich der Erlass nicht auf alle Juden, sondern allein auf die männlichen – was schlimm genug war. Unter Achaschwerosch hingegen unterstanden sie alle seiner Herrschaft, und keiner konnte fliehen; denn: a) er regierte uneingeschränkt über die ganze bewohnte Welt; b) er wollte sie an "einem" Tage vernichten, und daher blieb ihnen ohnehin keine Zeit zur Flucht; c) das Edikt erfasste alle ohne Ausnahme.
Wie war es möglich, dass sich die Dinge in einer Epoche scheinbarer jüdischer Sicherheit so furchtbar zuspitzen konnten? Die Antwort darauf gibt der Talmud: Weil sie an den – jeder jüdischer Sitte und Sittlichkeit abholden – Festlichkeiten des Achaschwerosch teilnahmen.
Hieraus sollte klar hervorgehen, dass das Geschick der Juden auf der einen Seite und eine "naturgemäße" Entwicklung auf der anderen zwei grundverschiedene Dinge sind. G-ttliche Vorsehung, für die Juden, unterliegt nicht den Gesetzmäßigkeiten der Natur. Vielmehr hängt ihr Schicksal allein davon ab, ob sie die Tora und ihre Gebote erfüllen.
Purim Sameach und Schabbat Schalom
Die Haftara (die Prophetenlesung) unseres Wochenabschnitts erzählt uns von dem Streit zwischen dem Propheten Elijahu und den Dienern des Baal, einer weit verbreiteten „Gottheit“ zu jener Zeit, und von Elijahus schmerzlichem Aufruf an das jüdische Volk zu unserem Vater im Himmel zurückzukehren.
Paraschat Ki Tisa beginnt mit der Mitzwa vom Machzit Haschekel. G-tt gibt Mosche Rabeinu den Auftrag, eine Volkszählung durchzuführen.
Warum ist Wahrheit ein Attribut der Gnade? Mitgefühl und Güte passen dazu – aber Wahrheit? Die Wahrheit ist ein strenger und gerechter Richter, der nicht bereit ist, Missetaten zu übersehen.
Bezugnehmend auf diesen Vers wird im Talmud (Traktat Megilla 12a) folgende Frage aufgeworfen: "Weshalb wurden die Juden jener Generation (vom Himmel) zur Vernichtung verurteilt?"
Haben Sie bemerkt, wieviel Mizwot mit dem Buchstaben Mem beginnen? Zuerst gibt es da den Mikra Megilla mit der Geschichte von Esther und Mordechai. Dann fallen einem natürlich auch Matanot le Ewjonim und Mischloach Manot ein.
Wenn der Künstler sein Werk in die Hände nimmt, dreht er der Perfektion vorläufig den Rücken zu, gleich einem Krieger der Angst.