Waetchanan
Lieber Leser,
am heutigen Schabbat, "Schabbat Nachamu" genannt, wird die erste Haftara der auf den 9. Aw folgenden "Sieben (Haftarot) der Tröstungen" vorgelesen. Diese Haftara beginnt mit den Worten (Jesaja 40, 1): "Tröstet euch, tröstet euch, Mein Volk". Die Frage wird gestellt, warum in diesem Vers das Verb "Trösten" zweimal steht.
Der Midrasch erklärt diese Wiederholung als einen Hinweis auf zwei Tröstungen und zwei Tragödien, nämlich den Verlust des ersten Tempels und den Verlust des Zweiten Tempels. Beim ersten Hinblick indessen ist dies – nicht ganz leicht zu verstehen.
Denn der Begriff von "Tröstung" ist doch dieser: Wenn jemanden ein Unheil trifft, dann kann er bei einem anderen Mitgefühl und so auch Trost finden, obwohl dieser andere ihm seinen Verlust nicht ersetzen kann. Und wenn der Betreffende nicht nur einen Verlust erlitten hat, sondern sogar zwei, dann kann er gewiss zweimal getröstet werden. Was dagegen die Zerstörung der Tempel betrifft, so ist die Sachlage hier eine ganz andere: Hier liegt der Trost in der Tatsache, dass schließlich ein dritter Tempel erstehen wird, als Ersatz für die zwei vorher zerstörten Heiligtümer. Und nachdem der erste Tempel in mehrfacher Hinsicht größer und bedeutende war als der Zweite, würde doch ein Ersatz für den ersten Tempel gleichzeitig den Ersatz für den zweiten in sich einschließen. Der erste enthielt schon all dasjenige, das im Zweiten vorhanden war, und dazu noch mehr.
Daraus folgt doch, dass, wenn es nur einen Ersatz zu geben braucht, auch nur eine Tröstung erstehen wird – nicht zwei, wie im zitierten Vers impliziert. Die Tröstung für den Ersten Tempel ist schon, als solche, auch die Tröstung für den Zweiten.
Die Antwort ist diese: Gewiss war der Zweite Tempel, wenn man absolute Maßstäbe anlegt, nicht so erhaben wie der erste; trotzdem wohnten auch ihm einmalige und einzigartige Eigenschaften inne. So denn versteht der Talmud den Vers aus dem Prophetenbuche, Haggai: "Größer wird die Herrlichkeit dieses späteren Hauses als die des früheren sein" als einen Hinweis auf den zweiten Tempel, der immerhin sowohl ein größeres Ausmaß als einen längeren Bestand sein Vorgänger hatte.
Damit ist die Wiederholung der Tröstung wohl begründet, denn der dritte Tempel wird die Vorzüge und Werte beider Vorgänger in sich vereinigen.
Schabbat Schalom
Von einem Menschen kann man erwarten, dass er auf eine bestimmte Art und Weise denkt, aber man kann nicht erwarten, dass er auf eine bestimmte Art und Weise fühlt.
Sie drangen in mich ein wie winzige Puzzleteile, die genau die Lücke oder Vertiefung fanden, die passgenau auf ihre Maße zugeschnitten war. Dann fügten sie sich zusammen und bildeten Sätze, Absätze und Gedanken...
Am 9. Aw (Tischa beAw) gedenken wir einer ganzen Liste so schlimmer Katastrophen die diesen Tag offensichtlich als verwünscht gelten lassen.
Kann man einem Juden vorwerfen, dass er nicht ständig nach seinem Vater sucht und sich nach der Erlösung sehnt? Wessen Schuld ist es denn letztendlich?
Der Schabbat nach dem 9. Aw ist der Schabbat der Freude über unseren erhofften Trost. Er wird Schabbat Nachamu genannt, entsprechend der Haftara, welche von Jeschajahu 40 gelesen wird.
Das Gesetz der Anziehung ist die populäre Idee, die besagt, dass die Einstellung eines Menschen entsprechende Umstände anzieht: Pessimismus zieht Unglück an, Optimismus erfreulichere Ereignisse.