Lieber Leser,

in der dieswöchtigen Sidra Wajera berichtet die Tora das folgende: "G-tt enthüllte sich ihm (Abraham) im Haine von Mamre, als er (Abraham) am Eingang seines Zeltes in der Tageshitze saß. Und er erhob seine Augen und sah – drei Männer standen nahe bei ihm; und er lief ihnen vom Eingang des Zeltes entgegen, und er beugte sich nieder bis zur Erde."

Dazu kommentiert Raschi, dass Abraham, nunmehr 99 Jahre alt, sich gerade von seiner Beschneidung erholte. Die Sonne brannte so heiß, dass die Menschen sich nicht auf den Weg machen wollten, um zu reisen; und damit blieb Abraham (angesichts seines augenblicklichen Gesundheitszustandes) die Unannehmlichkeit erspart, sich vorüberziehenden Gästen zu widmen und ihnen seine normale, bewährte Gastfreundschaft zu zeigen. Als G-tt dann jedoch sah, wie betrübt Abraham war, dass er keine Gäste bewirten konnte, sorgte Er dafür, dass ihm jene drei "Männer" erschienen (es waren "Malachim", gewöhnlich übersetzt mit "Engel"), so dass er also die ihm lieb gewordene, große Mizwa von Gastfreundlichkeit erfüllen konnte.

Obwohl G-tt in dem Augenblick gerade "bei" Abraham war, bat Abraham Ihn zu "warten", und er lief vorwärts, um seine Gäste zu begrüßen. Aus diesem sehr bemerkenswerten Verhalten ziehen unsere Weisen diese Schlussfolgerung: "Gäste willkommen zu heißen und zu empfangen, ist noch größer als G-ttes Allgegenwart willkommen zu heißen und zu empfangen."

Schabbat Schalom