Lieber Leser,

der Chassidismus lehrt viel über die dualen, widerstreitenden Kräfte in uns. Einerseits gibt es die menschliche Seele, die instinktiv und praktisch handelt und unbedingt überleben will. Andererseits gibt es die g-ttliche, transzendente Seele, ohne persönliches Interesse und bestrebt, G-ttes Willen zu erfüllen.

Obwohl die Interessen sich oft überschneiden (das meiste, was gut für das Individuum ist, ist auch gut für G-tt), duldet die chassidische Lehre keine Koexistenz unter dem Motto „leben und leben lassen“. Es genügt nicht, menschlich oder sogar human zu sein. Wir sind „nicht nur Menschen“, wir sind teilweise g-ttlich, und unserem unendlichen Aspekt genügt es nicht, einigermaßen gut zu sein. Wir müssen die vorprogrammierte natürliche Freundlichkeit des Menschen übertreffen. Wir müssen Werte hinzufügen, die über unsere Natur hinausgehen. Wir müssen g-ttlich sein, nicht irdisch.

Ein Tier hat keine Wahl, es macht keine Fehler und „tut“ im Grunde nichts. Löwen fressen Zebras, und Waschbären durchwühlen Abfälle. Wir mögen uns über Tiere ärgern, aber wir können ihnen nicht böse sein – sie tun, was sie eben tun. Wir dürfen keine Waschbären sein. Wir dürfen nie damit zufrieden sein zu tun, worauf wir programmiert sind.

Schabbat Schalom