Wajikra
Lieber Leser,
der Chassidismus lehrt viel über die dualen, widerstreitenden Kräfte in uns. Einerseits gibt es die menschliche Seele, die instinktiv und praktisch handelt und unbedingt überleben will. Andererseits gibt es die g-ttliche, transzendente Seele, ohne persönliches Interesse und bestrebt, G-ttes Willen zu erfüllen.
Obwohl die Interessen sich oft überschneiden (das meiste, was gut für das Individuum ist, ist auch gut für G-tt), duldet die chassidische Lehre keine Koexistenz unter dem Motto „leben und leben lassen“. Es genügt nicht, menschlich oder sogar human zu sein. Wir sind „nicht nur Menschen“, wir sind teilweise g-ttlich, und unserem unendlichen Aspekt genügt es nicht, einigermaßen gut zu sein. Wir müssen die vorprogrammierte natürliche Freundlichkeit des Menschen übertreffen. Wir müssen Werte hinzufügen, die über unsere Natur hinausgehen. Wir müssen g-ttlich sein, nicht irdisch.
Ein Tier hat keine Wahl, es macht keine Fehler und „tut“ im Grunde nichts. Löwen fressen Zebras, und Waschbären durchwühlen Abfälle. Wir mögen uns über Tiere ärgern, aber wir können ihnen nicht böse sein – sie tun, was sie eben tun. Wir dürfen keine Waschbären sein. Wir dürfen nie damit zufrieden sein zu tun, worauf wir programmiert sind.
Schabbat Schalom
Das erste Wort im dritten Buch Mose ist mit einem „kleinen Alef“ geschrieben (ויקרא). Dieses symbolisiert die Bescheidenheit Moses, welchen die Thora (trotz seiner herausragenden Persönlichkeit) als den bescheidensten Menschen auf der ganzen Welt nennt.
Nachdem ich mich und die Welt genau betrachtet habe, stellte ich fest, dass es viel einfacher ist, bedeutende Lebensveränderungen durchzuführen, - als nur die geringfügigen.
Der derzeitige jüdische Monat ist der Adar, und Purim steht vor der Tür; und sobald der Adar beginnt, soll man fröhlicher sein (siehe u.a. Kizzur Schulchan Aruch 141, 1). Allein schon deshalb ist es angebracht, die tiefere Bedeutung von Purim zu überdenken.
Nächstenliebe, Freude und Tanz – das sind die Merkmale Purims! Man sitzt mit der Familie um den festlich gedeckten Tisch und speist ein königliches Mahl. In der Synagoge lauscht die ganze Familie der Purimgeschichte am Abend und tags darauf, man schickt Geschenke an Freunde und gibt Bedürftigen Almosen um auch sie an Purim zu erfreuen.
Auf diesen Artikel haben Sie gewartet. Hier die angesprochenen Antworten in kürze: Weil es ein guter Weg ist Dinge zu erledigen. * Weil es gut ist. * Weil es eine fröhliche Zeit ist. * Weil es das ist, was du bist.
Eigentlich sollte ich jetzt über Purim schreiben, aber ich schaffe es einfach nicht. Es übersteigt meinen Horizont. Ich bin ein Mann, und Purim ist Frauensache.