Schoftim
Lieber Leser,
der Monat Elul ist für jeden Juden die Zeit, da er genau ehrlich überprüfen soll, wie er sich während des zu Ende gehenden Jahres geführt hat, so dass er dann die nötigen Entschlüsse fassen kann, die im kommenden Jahre sein Leben und seine persönlichen Angelegenheiten regeln mögen.
"Sucht Mein inneres Wesen; Dein inneres Wesen, oh G-tt, will ich suchen."2
Dieser Vers aus dem Psalm 27, der während des Monats Elul zweimal täglich gesagt wird, deutet an, welcher Geist uns bei der "Inventur" unserer religiösen Lebensweise im zu Ende gehenden Jahre leiten soll. Gleichfalls gibt er eine Anleitung für die Aufstellung von Entschlüssen für das neue Jahr. Seine Botschaft an jeden von uns ist diese: Wenn du deine vorherige Lebensweise überprüfst (und aufgrund dessen über dein weiteres Betragen zu entscheiden hast), so unternimm eine ehrliche Selbstprüfung. Eine ehrliche Einschätzung wird zu dem Entschlusse führen, sich um Verbesserungen zu bemühen. "Verkaufe dich nicht aus", dadurch dass du deine eigenen Fähigkeiten unter schätzt. Du denkst vielleicht, deine derzeitige Verpflichtung zum Judentum, dein geistiger "Warenbestand", sei ausreichend. Deine "verborgenen Reserven" jedoch, die bisher nicht angezapften Kräfte deiner Neschama (Seele), deine Potentialität zu totaler Verpflichtung zu Tora und Mizwot: diese können dich zu weit höheren Dingen führen.
Schabbat Schalom
Obgleich die männliche Psyche ein offenes Buch ist, bleibt die Frage, in welchem Ausmaß unsere Entscheidungen unserer Kontrolle unterliegen. Wem kann ich Vorwürfe machen? Wo fängt meine eigene Entscheidung an?
Die Idee, „Mein Körper gehört mir“ trug dazu bei, das moderne Leben säkularer und freizügiger zu machen. „Ich darf mit meinem Körper tun, was ich will“, behaupten manche Leute, „solange ich anderen nicht schade.“
Es wird Sie vielleicht nicht überraschen, daß unser Zivil- und Strafrecht zu einem großen Teil in der Tora einen Vorläufer hat. Das gilt beispielsweise für den Unterschied zwischen Mord und Totschlag und anderen Tötungsdelikten.
Paraschat Schoftim wird stets am Anfang des Monats Elul gelesen - dem Monat, der von Teschuwa (Umkehr) sowie innerer Vorbereitung auf die Hohen Feiertage sowie das kommende Jahr gekennzeichnet ist.
Elul ist der letzte Monat des Jahres, eine Zeit der guten Vorsätze. Wir verbessern, was noch nicht vollkommen ist.
Es ist ein alter Brauch, im Monat Elul mehr Zeit für das Gebet und das Sprechen der Tehilim aufzubringen. Sogar gelehrte Juden, die sehr oft die Torah studieren, widmen dem Gebet und den Tehilim in diesen Tagen noch mehr Zeit.