Wajikra
Lieber Leser,
die augenblicklichen Tage zwischen Purim und Pessach sind eine passende Zeit, um einige Gedanken über die wichtige historische Rolle auszudrücken, welche jüdische Frauen an diesen Festen spielten, und über die Lehren, die wir daraus ziehen können.
Nachdem es zweifellos die oberste Pflicht einer Frau ist, ihre ganze Zeit dem Haushalte, der Kindererziehung usw. zu widmen, hat die Tora sie von der Verbindlichkeit befreit, viele der Mizwot auszuüben. Es wird jedoch von ihr verlangt, dass sie die für Purim und Pessach gültigen Mizwot befolgt; so muss sie die Vorlesung der Megilla anhören und die Haggada lesen. Unsere Weisen erklären, dass diese Gebote deswegen auch den Frauen auferlegt sind, weil sie wesentlich zu den an Purim und Pessach gefeierten Befreiungen beigetragen haben.
Die Megilla (das Buch Esther) zeigt, welch entscheidenden Anteil Esther an der Herbeiführung des Wunders von Purim hatte. Denn Esther war es, die den ersten Schritt auf dem Wege zur Befreiung tat, als sie nämlich dem Mordechai auftrug: "Geh hin und versammle alle Juden, die sich in Schuschan befinden, und fastet für mich. Esst nicht und trinkt nicht, drei Tage lang, Tag und Nacht; ich und meine Mägde werde ebenfalls fasten" (Esther 4, 16). Und nach den drei Tagen des Fastens und Betens begab sich Esther in den Thronsaal und stand vor dem Koenig, um für ihr Volk Fürbitte einzulegen. Als sie so, ungeheißen, vor den König trat, setzte sie ihr Leben aufs Spiel; denn wer immer ohne Vorladung in den Thronsaal kam, war des Todes schuldig. Daher darf es uns gar nicht weiter verwundern, dass Esthers wesentliche Rolle dadurch anerkannt worden ist, dass nach ihr das "Buch Esther" und das "Fasten Esthers" genannt worden sind.
In Bezug auf Pessach wiederum betonen unsere Weisen im Midrasch, dass es die jüdischen Frauen waren, die in den schlimmsten Tagen der ägyptischen Unterdrückung den Mut und die Zuversicht ihrer Männer aufrecht erhielten. Außerdem zogen sie die Generation auf, die würdig befunden wurde, die Tora am Sinai zu empfangen, und auch diejenige, die später in das Heilige Land zog, das unveräußerliche Erbe unseres Volkes.
Man muss beachten, dass die Rollen, die jüdische Frauen jeweils bei diesen beiden Ereignissen spielten, ziemlich verschiedenartig waren. Am Pessach konzentrierte sich der Einfluss der Frau auf Haus und Familie, und damit stellte sie all die wahrhaft jüdischen weiblichen Tugenden unter Beweis: Bescheidenheit, Frömmigkeit und Glaube. Am Purim dagegen zeigte Esther, dass eine jüdische Frau, wenn ihr durch die Vorsehung eine Stellung gesellschaftlichen Vorranges und Einflusses angewiesen wird, sie diese ganz zum Wohle ihres Volkes nutzt und bereit ist, dafür ihr eigenes Leben zu opfern.
Schabbat Schalom
Die chassidischen Meister sagen, je stärker wir uns vor G-tt für null und nichtig erklären, desto mehr wird der Mensch bescheiden angesichts G-ttes unendlicher Größe.
Zur Zeit des jüdischen Tempels drückte sich der G-ttesdienst des Volkes Israel hauptsächlich durch seine Opferdarbringung aus. Die Thorakommentatoren schreiben dem Opferdienst viele Gründe zu, wie die Sühne für Missetaten und ein Mittel zur Näherung an G-tt.
„Opfer“ ist ein Wort, das man heutzutage nicht oft hört. Offenbar gehört es kaum noch zu unserem Wortschatz. Es hat einen negativen Beigeschmack, als müssten wir etwas Kostbares aufgeben oder etwas Großes verlieren.
In diesen Tagen, kurz vor Pessach, dem Feste unserer Errettung aus ägyptischer Versklavung, die dazu führte, dass unser Volk in wahrer Freiheit die Tora entgegennehmen konnte, sind die folgenden Gedanken sehr wohl am Platze.
Wenn jemand einen blühenden Obstbaum das erste Mal zur Blütezeit im Monat Nissan (April/Mai) sieht, spricht man diesen Segensspruch.
Einige Leser haben sich beschwert, dass ich keine konkreten Beispiele dieser Tiefgründigkeit bringe. In diesem Artikel hoffe ich, mich ausschließlich diesem Ziel widmen zu können: Eine komplexe Halacha zu nehmen, sie auf den Operationstisch zu legen, ihre Atmung herauszufinden und eine Spur der G-ttlichen Weisheit zu zeigen, die dort auf uns wartet.
Die feministische Bewegung hat ihre Aufmerksamkeit auch der jüdischen Tradition zugewandt und sich dabei besonders auf unterschiedliche Rollen konzentriert, die Frauen und Männer im jüdischen Leben spielen.