Beschalach
Lieber Leser,
den Höhepunkt der dieswöchtlichen Sidra bildet das Drama der Spaltung des Schilfmeeres. Als Moses sah, dass alle Unterjocher seines Volkes in den Wogen ertrunken waren, führte er die Männer in einem Jubelgesang zum Lobe G-ttes an. Darauf brach Miriam, die Prophetin, begleitet von allen Frauen Israels, ebenfalls in Singen aus; und ihr Chor war noch jubilierender als der der Männer, denn sie begleiteten ihren Gesang mit Paukenschlag und Trommeln (Exodus 15, 20).
Und so ergibt sich gleich die Frage: Warum frohlockten die jüdischen Frauen noch mehr als die Männer ob des schließlichen Unterganges Pharaos und seines Heeres? Eine Antwort hierauf ist in der elementaren Natur der Frauen und der besonders zärtliche Mutterliebe zu finden. Das schlimmste aller Dekrete Pharaos war doch dieses gewesen: "Jeden neugeborenen Knaben sollt ihr in den Fluss werfen ..." (Exodus 1, 22). Dieses Massentöten ihrer Kinder hatte die Mütter noch härter geschlagen als ihre Männer. Als sie daher Zeugen des Untergangs ihrer Bedrücker und sich somit bewusst wurden, dass die ägyptische Versklavung endlich vorüber war, da war auch ihr Jubel dementsprechend größer.
Schabbat Schalom
Als das jüdische Volk auf wunderbare Art und Weise durch die Spaltung des Jam Suf (des roten Meeres) von den Ägyptern gerettet wurden, begannen sie spontan ein Loblied für G-tt zu singen.
Wer je sagte, es gebe keine kostenlose Mahlzeit, wollte bestimmt nicht die Massen auf seine Seite ziehen.
Im Wochenabschnitt Beschalach, der stets an Schabbat Schira gelesen wird, da er das Loblied am Schilfmeer enthält, berichtet direkt nach dieser überwältigenden Offenbarung und Fürsorge G-ttes dem Jüdischen Volk gegenüber, nämlich der Spaltung des Meeres und der Errettung vor dem anrückenden Heer des Pharao, von einer Begebenheit, die gerade an dieser Stelle nachdenklich stimmt - nämlich die Begebenheit der bitteren Wasser.
Es ist in der dieswöchigen Sidra, dass den Israeliten erstmalig das Gebot gegeben wird, den Schabbat zu beobachten und einzuhalten (Exodus 16, 23 und 26). Unser Kalender kennt zwei sich ähnelnde religiöse Einrichtungen, die das gleiche Muster aufweisen.
Vor zwanzig Jahren, am letzten Tag des Pessachfestes im Jahr 5698 (1938) hat seine Heiligkeit mein Lehrer und Schwiegervater, der Herr, Lehrer und Meister einen Vortrag zur Haftara jenes Schabbats gehalten.
Der Rabbiner unterbrach die Geschichte und sagte: „Ich weiß nicht, was der Chafez Chaim zu dem Jungen sagte. Ich weiß nur, dass sie sich ein paar Minuten lang unterhielten. Ich würde vieles geben, um zu erfahren, was er diesem Jungen mitteilte ...“