Wajeschew
Lieber Leser,
der erste Vers der dieswöchigen Sidra lautet (Genesis 37, 1): Wajeschew Ja'akow Jakob verweilte – B'erez M'gurej Awiw – im Lande des Aufenthaltes seines Vaters – B'erez K'na'an – im Lande Kanaan. Der Meseritscher Maggid pflegte diesen Vers wie folgt zu erklären:
Wajeschew Ja'akow: Jakob hatte sich etabliert. B'erez: in irdischen Angelegenheiten. Zu welchem Zwecke? M'gurej (ein Ausdruck für Einsammeln): um die Heiligkeit zu gewinnen und zu sammeln, die dem Materiellen innewohnt, und sie emporzuheben zu – Awiw – seinem Vater im Himmel.
Obwohl es an sich zuerst einmal einen (geistigen) Niedergang bedeutet, wenn man sich zu sehr mit materiellen Dingen einlässt, so ist dies doch nur ein vorübergehender Zustand; in Wahrheit liegt darin die einzige Möglichkeit, um eine Besserung zu erzielen. Aus diesem Grunde – so geht die Erklärung weiter – fügt die Tora hinzu: B'erez K'na'an (K'na'an als ein Ausdruck für Handel und Geschäft); im Geschäft investiert man zuerst Kapital, um dann später einen Gewinn zu sehen.
Die hierin enthaltene Anweisung ist diese: Ein Jude soll sich nicht zu sehr für "große" Dinge interessieren, sondern seine Aufgabe besteht eher in der Wahl und im Einsammeln der Funken von Heiligkeit, die den kleinen weltlichen Angelegenheiten des Alltags innewohnen. Zu welchem Zweck? Für Awiw – seinen Vater im Himmel. Der Midrasch vergleicht die Juden mit den Bienen. So wie alles, das die Biene einsammelt, ihrem Besitzer gehört und ihm zugute kommt, so ist alles, was der Jude tut, für seinen Himmlischen Vater und nicht für seines persönlichen Profit bestimmt.
Schabbat Schalom
Als Rachel ihrem Sohn den Namen Josef gab, dachte sie sich (Wajeze 30,22): „Ich wünsche mir, dass G-tt mir noch einen Sohn gebe!“
Im Sonntags-Wajeschew-Toraabschnitt lernen wir einen fazinierenden Raschi-Kommentar. Raschi zitiert u.a. den Anfang eines Midraschs. In Bereschit Rabba 84:6 werden die vielen Gemeinsamkeiten von Jakow und Josef aufgezählt. Alles was Jakow zustieß geschah auch dem Josef.
Sie treffen auf der Straße einen alten Freund mit hängendem Kopf und gerunzelter Stirn. Instinktiv sagen Sie „Kopf hoch!“, um ihn aufzumuntern.
In der dieswöchigen Sidra lesen wir (Genesis 39, 1 ff.) über Josefs betrübliches Erlebnis mit Hause Potifars, eines hohen Beamten Pharaos, wo er als Diener beschäftigt war. Immer wieder, und mit List und Tücke, versuchte Potifars Weib, Josef zu verführen.
Was verleiht der Praxis des Judentums Vitalität und Wärme und ist gleichzeitig auch ein Vorgeschmack auf das messianische Zeitalter? Versuch einer Antwort von Ron Horwitz
Dieser Artikel befasst sich mit der Lektion, die wir in der Tora-Lesung von Wajeschew über Kindererziehung lernen.
Rabbi Josef Weinberg arbeitete mehr als vierzig Jahre eng mit dem Lubawitscher Rebbe zusammen, der Chabad Lubawitsch seit 1951 leitete.