Schlach
Lieber Leser,
dieser Wochenabschnitt erzählt uns von der tragischen Episode der zwölf Kundschafter, die Moses aussandte, um Kanaan, das Gelobte Land, auszukundschaften. Mit der rühmlichen Ausnahme von Kaleb und Joschua kamen die Abgesandten in der pessimistischen Überzeugung zurück, es werde den Israeliten nie gelingen, das Land zu erobern. Als das Volk ihren Bericht hörte, verlor es sein Vertrauen auf G-tt; daraufhin wurden die Israeliten dadurch bestraft, dass sie erst 40 Jahre später das Land betreten durften, nämlich bis die gesamte damalige Generation ausgestorben war.
Aus Kanaan zurückgekehrt, berichteten die Kundschafter (Num. 13, 27-28): "... das Land fließt über von Milch und Honig (usw.). Die Bewohner jedoch sind stark und die Städte sehr befestigt ... "Kaum waren diese Worte gesprochen, da versuchte Kaleb die anderen zum Schweigen zu bringen; er rief aus (Ibid. 13, 30): "Wir werden ganz gewiss das Land einnehmen." Die anderen Abgesandten widersprachen Kaleb leidenschaftlich; sie betonten, dass das Volk nicht in der Lage sein würde, das Land zu erobern.
Wenn wir die Reihenfolge der Vorgänge in dieser Episode genau analysieren, müßen wir eine auffallende Entdeckung machen. Es hat beim ersten Hinblick den Anschein, als seien Kalebs Bemühungen, die anderen zum Schweigen zu bringen, zu übereilt gewesen. Als er protestierte, hatten die Kundschafter doch nur Bericht erstattet, und zwar einen ganz sachlichen Bericht, über eben die zwei Dinge, die zu erkunden Moses ihnen aufgegeben hatte. Das waren: a) die Stärke der Kanaaniter und b) die Beschaffenheit ihres Landes. Erst nach Kalebs Worten gingen die zehn anderen dazu über, das Volk aufzureizen. Was war es denn, was Kaleb aus den ersten wenigen Bemerkungen seiner Kollegen entnommen hatte, so dass er gleich die schlimmsten Schlussfolgerungen befürchten musste?
Die Antwort darauf ist in der Tatsache zu finden, dass die zehn anderen in ihrem Bericht die Reihenfolge änderten, in der Moses ihnen seinen Auftrag gegeben hatte. Moses hatte ihnen befohlen (siehe Num. 13, 18-20) erstens: die Stärke der Kanaaniter zu erkunden, und dann, zweitens: die Ergiebigkeit des Landes festzustellen. Sein hauptsächliches Anliegen war es, G-ttes Befehl auszuführen, das Land einzunehmen. Die Kundschafter aber kehrten diese Reihenfolge in ihrem Berichte um. Ihre erste Erklärung war: "Das Land fließt über von Milch und Honig." Sofort erkannte Kaleb, was diese Umänderung besagte, nämlich dass ihr überwiegendes Interesse darin lag, bei der Eroberung von Kanaan materielle Vorteile zu gewinnen.
Schabbat Schalom
Unsere Parascha enthält eine äußerst merkwürdige Geschichte: Eine Gruppe von zwölf Männern, die den g-ttlichen Auftrag erhielten, ein Land auszukundschaften und dann Bericht zu erstatten, kehrten aus diesem Land zurück und bewegten das ganze jüdische Volk dazu, jegliche Hoffnung auf die Eroberung des Landes aufzugeben und den Glauben an G-tt zu verlieren.
"Dinah," rief Mutter Levin ihrer Tochter aus der Küche zu, "kannst du bitte das Gästezimmer aufräumen, in dem Tante Chaja's Kinder schliefen? Schifi wird dir dabei helfen, sobald sie mit ihren Hausaufgaben fertig ist."
Wir waren keine Touristen, sondern Rucksackreisende. Jedenfalls dachten wir das.
Moses schickt Spione nach Kanaan. Außer Joschua und Caleb bringen alle einen furchterregenden Bericht. Das Volk fürchtet sich und rebelliert. G-tt bestimmt, dass die Israeliten 40 Jahre in der Wüste bleiben müssen, bevor sie nach Kanaan einziehen können. In dieser Zeit werden alle Männer im Alter zwischen 20 und 60 Jahren sterben. Viele Israeliten versuchen, einseitig nach Kanaan vorzudringen, werden aber von den Kanaanitern niedergemetzelt. Dann werden verschiedene Gesetze behandelt: Trank-Opfer, "Challa" (der Teil des Teiges, der dem Kohen [Priester] gegeben wird), bestimmte Sünden-Opfer und die Mizwa der Zizit. Ein Jude entheiligt den Schabbat und wird hingerichtet.
Unsere Weisen sagen, wer diese Mizwa korrekt ausführt, verdient es, Frau und Kinder zu haben. Er wird vor Sünden beschützt und erhält die Zusicherung, dass er das Antlitz der G-ttliche Gegenwart sehen wird.