Acharej-Kedoschim
Lieber Leser,
dieser Wochenabschnitt enthält das Gebot, das große Berühmtheit erlangt hat: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Für den modernen Menschen hört sich diese Ermahnung manchmal nur wie ein frommer Wunsch an, ohne tiefere Bindung an die Realität des Lebens. Er denkt: "Wie kann erwartet werden, dass man eine Person trotz ihrer augenfälligen Unzulänglichkeiten wirklich liebt?"
Es ist eine bekannte Tatsache, dass Liebe "blind" ist, und die blindeste aller Lieben ist die Selbstliebe. Jeder kennt genau die Fehler seines eigenen Charakters. Er weiß von seinen eigenen Unzulänglichkeiten mehr als jeder Außenstehende. Doch so stark ist seine Selbstliebe, dass sie diese Selbsterkenntnis erstickt; sie bringt ihn davon ab, seine Charakterfehler einzusehen, und er findet Entschuldigungen für all seine schlechten Taten.
Lasst uns nun eine ehrliche Selbstuntersuchung vornehmen und unsere Reaktion analysieren, wenn ein anderer unsere Fehler bemerkt und sie uns vor Augen hält. Wir erzürnen uns, nicht weil die Beurteilung falsch ist (wir wissen ja selbst zu gut, dass er einen tatsächlichen Fehler bemerkt hat), sondern weil uns klar ist, dass dieser Fehler einen ungünstigen Eindruck auf ihn gemacht hat: er sieht nicht leicht von unserer Verfehlung ab. In anderen Worten: Er hat die Blende unserer Selbstliebe entfernt und uns dadurch gezwungen, das ganze Ausmaß unserer Unzulänglichkeit zu erkennen – ein uns äußerst verhasster Zustand.
Schabbat Schalom
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Vor kurzer Zeit ist die erste deutsche Übersetzung des Siddurs "Tehillat Haschem" erschienen. Auch unser Webseiten-Team hat intensiv, vorrangig in der Lektoriatsarbeit, an der Verwirklichung des Siddur mitgewirkt. Einen Einblick in diesen außergewöhnlichen Siddur erhalten Sie hier und erwerben können Sie ihn hier.
Zur Zeit des Tempels stand zu Jom Kippur der G-ttesdienst des Hohen Priesters im Mittelpunkt. Dies war das einzige Mal im Jahr, an welchem der Hohe Priester in das Allerheiligste treten durfte um dort seinen Dienst zu verrichten.
Liebe ist ein tolles Gefühl. Sie kann vergeben, Frieden stiften, erfreuen − einfach Sinn im Leben machen. Die Liebe zu den Geschöpfen und noch mehr die Nächstenliebe ist eine große Tugend, ein wichtiger Grundsatz des Judentums, sodass sie wortwörtlich ein Gebot ist, auf welchem die ganze Thora gründet.
Die dieswöchige Parascha erzählt uns von Jom Kippur, dem heiligsten Tag im Jahr. An diesem Tag essen und trinken wir nichts, wir waschen uns nicht und tragen auch keine Schuhe aus Leder.
In der dieswöchigen Sidra Acharej heisst es (Lev. 18, 5): "Ihr sollt (daher) Meine Satzungen und Meine Rechtsordnungen hüten, so dass, wenn der Mensch sie tut, er in ihnen lebt."
Die Parascha beginnt mit einem Befehl: „Kedoschim Tihju“ – „Ihr sollt heilig sein!“, „Ki kadosch ani Haschem“ – „Denn ich euer G-tt bin heilig“. Was bedeutet „heilig“? Was verlangt die Tora von uns, wenn sie uns gebietet, „heilig“ zu sein?
Juden glauben nicht an Wohltätigkeit. Lassen wir uns nicht von ihrer legendären Philanthropie blenden, von ihrer enthusiastischen Anteilnahme an humanitären Bewegungen, von ihrer Erfindung der Puschke, des Meschulach und des Keren HaJessod.