Acharon schel Pessach
Lieber Leser,
Pessach ist ein achttägiges Fest mit zwei Eröffnungs- und zwei Schlusstagen, an denen wir besonders achtsam sind und die Erinnerungen noch intensiver wachrufen. Das Thema Freiheit gilt zwar für das ganze Fest, aber die ersten Tage von Pessach gelten hauptsächlich der ersten Erlösung, unserer Befreiung aus Ägypten vor 33 Jahrhunderten, während die letzten Tage auf die endgültige Erlösung anspielen, das künftige Zeitalter der Vollkommenheit, dessen Vorbote der Moschiach ist.
So tritt unser Bemühen, die Zeit zu transzendieren, in eine neue Phase: Die Erinnerung aufzufrischen, bis wir sie neu durchleben, ist das Eine; aber ein Ereignis real zu machen, das in der Zukunft liegt, vor allem wenn es einmalig ist und keine Parallele in der Geschichte hat, ist etwas ganz anderes.
Doch in den letzten Stunden von Pessach betreten wir die Welt des Moschiach. Wir haben Jahrtausende übersprungen und klettern nun über die weiße Mauer der Zukunft, um Mazza zu essen und den Wein der Erlösung zu trinken.
Chag Sameach und Schabbat Schalom
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Vor kurzer Zeit ist die erste deutsche Übersetzung des Siddurs "Tehillat Haschem" erschienen. Auch unser Webseiten-Team hat intensiv, vorrangig in der Lektoriatsarbeit, an der Verwirklichung des Siddur mitgewirkt. Einen Einblick in diesen außergewöhnlichen Siddur erhalten Sie hier und erwerben können Sie ihn hier.
Für den siebten Pessachtag finden wir im Schulchan Aruch HaRaw einen interessanten Gesetzesschluss. Dort heißt es: „Wessen Feiertagsmahlzeit am letzten Pessachtag bis in die Nacht geht, der kann Gesäuertes an den Tisch bringen, obwohl er mit dem Abendgebet den Feiertag noch nicht verabschiedet hat“.
Am siebten Pessach-Tag vollbrachte G-tt für das jüdische Volk das großartigste Wunder aller Zeiten – die Spaltung des Meeres. Der Midrasch schildert uns den wundersamen Zustand, welcher damals am Meer herrschte: Am Meeresboden gediehen Bäume, welche Früchte hervorbrachten, die bereits gereift waren. ...
Wir alle bewohnen zwei Welten - Welten, die oft soweit voneinander entfernt liegen, wie zwei Welten es nur sein können.
Was ist da los? Die Ägypter wurden doch entscheidend geschlagen; ihre Götter als nutzlos entlarvt; ihr stolzer Pharao vollkommen erniedrigt! Er kam doch in der Mitte der Nacht im Pyjama raus, um Moses und Aaron anzuflehen, ihr Volk so schnell wie möglich aus Ägypten herauszuführen.
Chol Hamoed (wörtlich: der Wochentag der Festtagswoche") bezeichnet die "Zwischenperiode" der beiden Feste Pessach und Sukkot. Sie sind jene Tage, die zwischen den Anfängen und Enden der heiligen Tage der beiden Feste liegen.
Das Gebot: »Ihr sollt zählen vom Tag nach dem Feiertag, vom Tag, an dem ihr das Omer der Wendung dargebracht habt, sieben volle Wochen.« (Levitikus/Wajikra 23:15)
Der siebte Tag von Pessach ist kein eigenes Fest wie Schmini Azeret, der letzte Tag von Sukkot. Er bildet den Abschluss von Pessach, und darum lassen wir den Segen Schehechejanu weg, wenn wir den Kiddusch sprechen oder Kerzen anzünden.
Es war der Brauch des Baal Schem Tov, am letzten Tag von Pessach drei Mahlzeiten abzuhalten. Die dritte Mahlzeit, welche am späten Nachmittag stattfand, wurde bekannt als „Festmahl des Maschiach“ oder „Maschiachs Seuda“, denn an diesem Tag ist der Glanz von Maschiach offen aufgedeckt.