Hulda, die Frau von Schallum ben Tikwa, war eine von sieben Prophetinnen, die im Tanach erwähnt werden und zu unterschiedlichen Zeiten lebten. Diese sieben Prophetinnen waren: Sara, Miriam, Debora, Hanna, Abigail, Hulda und Esther.

Hulda lebte zur Zeit der Herrschaft Josias in Jerusalem (3285–3316). In dieser Zeit wurde sie vom Geist der Weissagung erfüllt und als Prophetin bekannt. Zu dieser Zeit lebten auch die herausragenden Propheten Jeremia und Zefanja.

Laut dem Midrasch1 prophezeite Jeremia auf den Straßen Jerusalems, Zefanja verkündete seine Prophezeiungen in den Synagogen, und Hulda unterrichtete in Jerusalem Frauen in der Heiligen Schrift, soweit sie für jüdische Frauen, Mütter und Töchter von Bedeutung war.

Im Talmud2 wird berichtet, dass Hulda eine Verwandte des Propheten Jeremia war. Sie war eine Nachfahrin von Joschua bin Nun (vom Stamm Ephraim). Der Prophet Jeremia war ebenfalls ein Nachfahre von Joschua – mütterlicherseits. Väterlicherseits war Jeremia ein Kohen, der Sohn Hilkijas, der einer langen Ahnenreihe von Kohanim entstammte, die bis auf Aaron (vom Stamm Levi) zurückging.

Huldas Ehemann, Schallum, hatte eine herausragende Position am königlichen Hof inne. Er war der Verwalter der königlichen Garderobe und für die Gewänder und Kleidung des Königs für alle Anlässe verantwortlich. Er war auch einer der Lehrer des Königs, als Josia noch ein Kind war. Josia war erst acht Jahre alt, als er die Krone von seinem Vater Amon erbte. Sein Vater, der sich dem Götzendienst zugewandt hatte, wurde nach zweijähriger Regierungszeit von seinen Palastdienern ermordet.

Der junge Josia hatte hervorragende Lehrer: Hilkija, den Kohen Gadol (er war der Urgroßvater des Schriftgelehrten Esra), den Propheten Jeremia, den Schreiber Schafan und dessen Sohn Ahikam sowie Schallum und dessen Frau Hulda, die sich in seiner frühen Kindheit um ihn kümmerten. Unter ihrem Einfluss und ihrer Anleitung entwickelte sich Josia zu einem g-ttfürchtigen Menschen. Er folgte nicht den Fußstapfen seines Vaters und Großvaters (König Manasse), die Götzen anbeteten und die Götzenanbetung im Königreich Judäa förderten. Vielmehr folgte er den Fußstapfen seines Urgroßvaters Hiskija, der ein g-ttfürchtiger und die Tora liebender König war. Im Alter von sechzehn Jahren ergriff Josia die Zügel seines Königreichs fest in die Hand und begann, Veränderungen im spirituellen Leben seines Volkes einzuführen, die eine neue Ära in das Land brachten. Denn er führte das Volk zurück zum alten Geist der Furcht vor G-tt und der Hingabe an Seine Tora und Seine Gebote.

Einige Jahre später, im achtzehnten Jahr seiner Herrschaft, nahm sich der junge König der gewaltigen Aufgabe an, den Bet Hamikdasch wiederherzustellen, der so viele Jahre lang vernachlässigt worden war. Er berief eine Massenversammlung ein, um das Volk zur Teilnahme an dem großen Unterfangen zu bewegen. Das Volk reagierte begeistert, und die Spenden flossen großzügig. Die Arbeit an der Reparatur und Wiederherstellung des Bet Hamikdasch kam unter der fähigen Leitung des Hohepriesters Hilkija in Schwung.

Mitten in diesen Arbeiten entdeckte Hilkija voller Begeisterung eine antike Sefer Tora aus der Zeit von Moses. Diese einzigartige Tora-Rolle war im Allerheiligsten des Bet Hamikdasch aufbewahrt worden, aber in der Zeit der Götzen anbetenden Könige hatten die aufrechten Kohanim sie von dort entfernt und an einem geheimen Ort im Bet Hamikdasch versteckt. Denn einst hatte der verräterische König Ahas eine Tora verbrannt.

Nun stieß der Hohepriester auf diese versteckte Tora-Rolle und gab sie dem Schreiber des Königs, Schafan, damit er sie dem König bringe.

Der König befahl Schafan, daraus vorzulesen. Es geschah, dass sich die Schriftrolle an der Stelle im Deuteronomium öffnete, die die Ermahnung (Tochacha) enthält, in der G-tt das jüdische Volk vor den schrecklichen Folgen der Vernachlässigung der Tora und der Mizwot warnt, die zu Zerstörung und Exil führen.

Der König war zutiefst erschüttert und untröstlich – er erinnerte sich daran, wie sein Vater und Großvater gelebt hatten, indem sie das Heilige Land durch Götzendienst und Bösem entweihten. Er zerriß seine Kleider (ein Zeichen der Trauer und Reue) und befahl Hilkija und vier weiteren königlichen Boten, zu den heiligen Propheten zu gehen, um sich zu erkundigen, was angesichts der soeben erhaltenen g-ttlichen Warnung zu tun sei.

Normalerweise hätten sie sich sofort an den größten Propheten der damaligen Zeit, Jeremia, gewandt, aber er war nicht in Jerusalem. G-tt hatte ihn zu den jüdischen Exilanten nach Assyrien geschickt, wo sie seit der Eroberung des Nordreichs der zehn Stämme Israels durch den assyrischen König Schalmanassar (im Jahr 3205) in Gefangenschaft lebten. Jeremia sollte ihnen eine Botschaft der Ermutigung und Hoffnung überbringen und ihnen versichern, dass G-tt sie nicht vergessen hatte und dass auch sie G-tt nicht vergessen sollten, sondern ihr Exil tapfer ertragen sollten, bis G-tt eines Tages alle jüdischen Exilanten, die in verschiedenen Ländern verstreut waren, versammeln und sie ins Land Israel zurückbringen würde.

In Jeremias Abwesenheit gingen die Boten des Königs zur Prophetin Hulda, in der Hoffnung, dass ihr mitfühlendes weibliches Herz und ihre zärtlichen Gefühle eine möglicherweise harte Prophezeiung, die sie erwartete, mildern würden.

Hulda überbrachte ihnen die folgende Prophezeiung:

So spricht der Ewige, G-tt Israels: Sag dem Mann, der dich zu mir geschickt hat, Folgendes: So spricht der Ewige: „Ich werde ein Unheil über diesen Ort und seine Bewohner bringen – all die Worte des Buches, das der König von Judäa gelesen hat – weil sie mich verlassen und andere Götter angebetet haben . . . Deshalb wird mein Zorn gegen diesen Ort entflammen und nicht gelöscht werden.

Aber dem König von Judäa, der dich gesandt hat, um den Herrn zu befragen, sollst du sagen: So spricht der Ewige, G-tt Israels, über das Wort, das du gehört hast: Weil dein Herz weich geworden ist und du dich vor dem Ewigen gedemütigt hast, als du gehört hast, was ich gegen diesen Ort und seine Bewohner beschlossen habe . . . und du deine Kleider zerrissen und vor mir geweint hast – ich habe dich gehört. Darum will ich dich zu deinen Vätern sammeln, dass du mit Frieden in dein Grab kommst und deine Augen nicht sehen all das Unglück, das ich über diesen Ort bringen will.3

Kaum hatten die Boten dem König die Antwort der Prophetin Hulda überbracht, da ließ er auch schon die Ältesten von Judäa und Jerusalem zu sich kommen und befahl ihnen, das ganze Volk – „klein und groß“ – in den Bet Hamikdasch zu rufen.

Auf einer Plattform stehend, las der König dem Volk die feierlichen Worte der Tora aus der Schriftrolle vor, die im Bet Hamikdasch gefunden worden war – die g-ttliche Warnung, gefolgt von dem Bund, den Moses und alle Juden mit G-tt geschlossen hatten. Nun erneuerte der König diesen Bund für die gesamte Nation – „auf dem Weg G-ttes zu wandeln und Seine Mitzwot, Gebote und Gesetze von ganzem Herzen und ganzer Seele zu halten”.

Die ganze Nation nahm den erneuerten Bund feierlich an und verpflichtete sich, ihn vollständig umzusetzen.

Unter der persönlichen Führung des Königs und mit der Hilfe des Hohenpriesters Hilkija begann das Volk, das Land von allen Götzenbildern und ihren abscheulichen Bräuchen zu säubern. Ein Geist der Buße, der Heiligkeit und Reinheit erfüllte das ganze Volk.

Das Pessachfest – das Fest der Befreiung – stand kurz bevor. König Josia beschloss, das Gefühl wahrer Freiheit – Freiheit von der Sklaverei der früheren Generationen, die der Götzenanbetung verfallen waren – durch ein außergewöhnliches nationales Fest zu stärken. Tatsächlich hatte es seit den Tagen des Propheten Samuel kein so inspiriertes und freudiges Pessachfest mehr gegeben.

Die Prophetin Hulda hatte durch ihre Prophezeiungen und ihren Einfluss einen wichtigen Anteil an der großen spirituellen Wiederbelebung des jüdischen Volkes unter der Herrschaft von König Josia.

Huldas Prophezeiung erfüllte sich. König Josia hatte noch 13 Jahre zu leben: Er regierte 31 Jahre lang. Aber er musste nicht mehr die Zerstörung Jerusalems und des Tempels miterleben. Dies geschah erst am Ende der elfjährigen Regierungszeit seines Sohnes Zedekia. (In der Zwischenzeit folgten ihm für kurze Zeit seine beiden älteren Söhne und ein Enkel nach: Jehoahaz für drei Monate und Jehoiakim für 11 Jahre, gefolgt von dessen Sohn Jehoiachin oder Jeconiah für 100 Tage.)

Auch die Prophetin Hulda musste nicht – wie ihr Verwandter, der Prophet Jeremia – die schreckliche Zerstörung miterleben, die sie vorhergesagt hatte. Aber ihre Prophezeiung und ihr Einfluss – als eine der sieben g-ttlichen Prophetinnen, die unsere jüdische Nation hatte – blieben ein ewiges Erbe unseres Volkes.