Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 565, ab Chet.

XXXIII. „Ein Schriftvers verliert nicht seine einfache Bedeutung.“1 Der gleiche Grundsatz gilt auch für Ausdrücke der Weisen. Der Ausdruck Matan Tora – die „Übergabe der Tora“ – bedeutet also, dass wir von etwas sprechen, das ständig andauert, wie es auch der Text der Segenssprüche nahelegt, die jeden Morgen rezitiert werden – „der die Tora gibt“, grammatikalisch im Präsens.2 Das bedeutet, dass es ein tägliches Studium der Tora geben muss. Jeden Tag muss es eine feste Zeit für das Studium der Tora geben.

Das Tora-Studium muss buchstäblich jeden Tag stattfinden, denn die Tora ist „unser Leben“3, und das Leben darf nicht unterbrochen werden. Die Gesundheit eines Menschen kann manchmal stärker und manchmal schwächer sein. Aber beim Leben selbst bedeutet jede Unterbrechung, G-tt bewahre, das völlige Aufhören. So ist es auch mit der Tora, die tägliches Studium erfordert.

In der Gemara heißt es: „Wer sagt, er habe nichts außer der Tora, der hat nicht einmal die Tora“4, denn die Tora muss durch Gemilut Chassadim (Ausüben von liebender Güte und Wohltaten durch Wort und Tat) ergänzt werden.5 Es ist daher notwendig, dass es auch die Awoda des Gebets gibt; denn das Gebet ist in Gemilut Chassadim enthalten, wie Raschi erklärt6 und zitiert: „Wer mit seiner Seele gütig umgeht, ist ein Mann von Chessed.“7 Außerdem muss vor dem eigentlichen Gebet ein Akt von Gemilut Chassadim im wörtlichen Sinne erfolgen, wie es heißt: „Er gab dem Armen eine Münze und betete dann.“8 Die Awoda des Gebets bewirkt wiederum, dass das Studium der Tora so sein wird, wie es sein sollte.

Das feste tägliche Tora-Studium unterliegt der biblischen Zusicherung: „Wenn ihr in Meinen Ordnungen geht“9 – d. h., wenn ihr euch im Tora-Studium anstrengt10 – „werde Ich euren Regen zu seiner Zeit geben“11, denn dies ist der Ring der Verlobung von Matan Tora,12 und der Allmächtige hält sicherlich Sein Versprechen.

Wenn dies für jeden Einzelnen gilt, so gilt es nicht weniger für eine umfassende Körperschaft. Mit anderen Worten: Ab Schawuot müssen die Lehrer alles daran setzen, dass ein größerer Teil der Unterrichtsstunden in den Bildungseinrichtungen dem Tora-Studium gewidmet wird. Das Tora-Studium muss sich ständig ausdehnen, im Sinne von „Ich werde wandeln in weitem Raum.“13 Man muss sich auf den Allmächtigen verlassen und sollte die Kanäle [des G-ttlichen Stroms] nicht behindern oder verstopfen. Man soll dabei expansiv vorgehen, sowohl in Bezug auf das Materielle als auch auf das Geistige, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die Tora soll vermehrt und gestärkt werden: quantitativ vermehrt und qualitativ gestärkt.

So kommt der Segen zustande, den der Rebbe vor zehn Jahren ausdrückte: „Der Eine wird Rewawa (zehntausend) werden.“14 Dies ist sowohl im wörtlichen Sinne der Quantität als auch im qualitativen Sinne gemeint, dass jeder dieser zehntausend Schüler auf der Ebene von Rewawa steht – was ein Aspekt von Keter ist.15

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten an Schawuot 5715)