Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 564, ab Sajn.

XXXII. Das erste Gebot, das nach Matan Tora erlassen wurde, lautet: „Ihr sollt nicht machen neben Mir Götter aus Silber und Gold ... Du sollst Mir einen Altar aus Erde machen, und du sollst darauf deine Olot (Brandopfer) und deine Schelamim (Friedensopfer) opfern.“1 Der Alte Rebbe kommentiert dies: Das Erste (nach Matan Tora) ist etwas Negatives – „Ihr sollt nicht machen ...“, denn die Negation (das Nicht-Sein) geht dem Sein voraus. Darauf folgt das positive Gebot: „Du sollst Mir einen Altar aus Erde machen“, d. h. einen Altar der Selbstverneinung – [angedeutet durch den Begriff „Erde“, etwas, auf das alle treten] – „und du sollst darauf deine Olot und deine Schelamim opfern“, d. h. alle deine Aufstiege und alle deine Vollkommenheiten.2

Diese tiefere Interpretation von Olot und Schelamim bezieht sich nicht auf Aspekte des Stolzes, sondern auf echte Erhebungen und Vollkommenheiten, die von der Tora als solche anerkannt werden. Dennoch gibt es das Gebot, diese auf dem Altar zu opfern. Denn Matan Tora verlangt, dass man nichts in Betracht zieht, nicht einmal Silber und Gold, die die Liebe und Furcht G-ttes bedeuten.3

Dies ist analog zu der früheren Diskussion (über die Natur der jüdischen Seelen), dass die Tora das Ziel verlangt, einfach den G-ttlichen Willen zu befolgen, ohne an irgendetwas anderes zu denken. Denn aufgrund von Matan Tora, als der Allmächtige sagte „Anochi – Ich bin der Ewige, dein G-tt“ – d. h., dass das „Ich, der Ewige“ deine Stärke und deine Lebenskraft wurde, seitdem ist nichts anderes von Bedeutung.4

So interpretierte der Baal Schem Tow5 den Vers „Schiwiti – Ich habe den Ewigen stets vor Augen (immer vor mich gestellt)“:6 Da G-tt vor mir ist, sind alle Dinge gleich.7 Dieser Gleichmut gilt auch für spirituelle Aspekte, bis in die höchste Ebene, denn man soll nichts anderes wünschen, als den G-ttlichen Willen auszuführen.

Deshalb heißt es im allerersten Gebot nach Matan Tora: „Ihr sollt nicht machen ... und du sollst darauf deine Olot und deine Schelamim opfern.“ Denn das ist der Zweck von Matan Tora, wie oben ausführlich erklärt wurde.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten an Schawuot 5715)