Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 572, ab Jud-Sajn.

XLII. Der Midrasch berichtet: Als G-tt Israel die Tora gab, verlangte er eine Bürgschaft, dass sie sie halten würden. Das jüdische Volk antwortete: „Unsere Väter werden unsere Bürgen sein“, aber das wurde nicht akzeptiert. Dann boten sie an: „Unsere Propheten werden unsere Bürgen sein“, aber auch das wurde nicht akzeptiert. Aber als sie sagten: „Unsere Kinder werden unsere Bürgen sein“, war dies für G-tt annehmbar, und Er gab ihnen die Tora.1

Die Amerikaner haben eine besondere Vorliebe für Derusch (Predigten). Jeder predigt, vom Kleinen bis zum Großen. In Anbetracht des Grundsatzes „Wenn du in eine Stadt gehst, dann handle nach ihren Sitten“2 werde ich diesen Midrasch im lokalen Stil homiletisch auslegen.

XLIII. Das jüdische Volk ist das auserwählte Volk, und es liebt es, Tora zu lernen. Von der Tora heißt es: „Sie ist eure Weisheit und euer Verstand (auch) in den Augen der Völker.“3 Dennoch kann es sein, dass jemand aus welchen Gründen auch immer die Tora nicht studieren oder Mizwot nicht befolgen will, ungeachtet der Güte und des Vergnügens, die der Tora und den Mizwot innewohnen.

Als G-tt die Tora gab, wollte Er zuerst sicher sein, dass das jüdische Volk die Tora studieren und ihre Mizwot befolgen würde. Deshalb bat Er um eine Bürgschaft.

Die Juden antworteten: „Unsere Väter werden unsere Bürgen sein“, sie werden die Tora studieren: Der alte Vater in einem Altersheim, frei von allen Sorgen, wird die Tora lernen. Wir werden den Vater unterstützen, und der Vater wird sich in einer Studiengruppe für Mischna oder Talmud einschreiben und lernen. Schließlich hat er nichts anderes zu tun und ist somit frei zum Lernen.

Außerdem wird dies dem Vater Glück bringen. Denn wenn er sich einer Gruppe anschließt, treffen sich die Mitglieder ein- oder zweimal im Jahr zu einem geselligen Beisammensein, was ihm Gelegenheit zum Vergnügen gibt.

XLIV. Das jüdische Volk bot auch seine Propheten als Bürgen an. „Propheten“ bedeutet „Sprecher“; denn das hebräische Wort für Propheten, Newi-im, leitet sich von Niw Sefatajim, Rede der Lippen, ab.4 Das bedeutet, dass unsere „Sprecher“, d. h. die Rabbiner, unsere Bürgen sein werden; sie werden Tora studieren. Wir werden einen Rabbiner anstellen und ihn unterstützen, so dass der Rabbiner Tora studiert, während die Laien sich mit Geschäften engagieren.

Der Allmächtige hat diese Bürgschaft jedoch nicht akzeptiert. Er ist nicht damit zufrieden, dass das Tora-Studium auf Rabbiner beschränkt ist. Er möchte, dass alle Juden die Tora studieren und ihre Mizwot befolgen. Deshalb verlangte Er nach einer anderen Bürgschaft.

XLV. Am Ende boten die Juden ihre Kinder als Bürgen an: Die Kinder werden Tora lernen.

Solange die Kinder noch jung und nicht in der Lage sind, Geschäfte zu machen, ist man bereit, sie in eine Talmud-Tora-Schule und später in eine Jeschiwa zu schicken. Wenn die Kinder jedoch älter werden, werden die Eltern sie aus der Jeschiwa herausnehmen und sie ins Geschäftsleben schicken.

Trotzdem hat der Allmächtige diese Bürgschaft akzeptiert. Denn Kinder, die in jungen Jahren in eine Jeschiwa geschickt werden, werden die Jeschiwa nicht verlassen wollen, wenn sie älter werden, und so weiterhin Tora lernen.5

Darüber hinaus werden solche Kinder mit ihren Eltern reden und argumentieren, bis sie sie davon überzeugen, dass auch sie (die Eltern) anfangen werden, Tora zu lernen und Mizwot zu befolgen.

XLVI. All dies wurde in Form einer Predigt gesagt. Tora auf der Ebene des Derusch steigt in die Welt von Jezira oder die Welt von Beria auf.6 Praktisch gesehen muss man jedoch, was diese Welt betrifft, alle Anstrengungen unternehmen, um Kinder in Talmud-Tora-Schulen und Jeschiwot zu bringen. Die Kinder werden dann auch ihre Eltern beeinflussen. So werden alle Juden Kabbalat haTora verdienen.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten an Schawuot 5712)