Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 563, ab Waw.

XXXI. Der Alte Rebbe hat einmal den Vers1 „Du sollst das Fest Schawuot machen ...“ wie folgt interpretiert: Schawuot bedeutet Vochen (Wochen) und Vochedigkeit (der Aspekt der Wochentage, also weltlich oder profan); und dies muss in Festlichkeit umgewandelt werden.2

Der Unterschied zwischen Schabbat und Fest besteht darin, dass am Schabbat jede Arbeit verboten ist.3 Nicht nur die Arbeit selbst ist verboten, sondern auch alle mit den Wochentagen verbundenen Handlungen. Allein die Tatsache, dass sie mit den Wochentagen, mit dem Weltlichen oder Profanen identifiziert wird, macht sie am Schabbat verboten.4

Der Schabbat transzendiert das Weltliche. So wie der Allmächtige am Schabbat von der Arbeit der Schöpfung ruht, so muss es auch ein Jude tun. Denn Juden werden als Adam (Mensch) bezeichnet,5 ein sprachlicher Anklang an Edame leEljon (Ich will dem Höchsten gleichen).6 Am Schabbat muss er sich daher des (gewöhnlichen) Sprechens enthalten, d. h., „Dein Sprechen am Schabbat soll nicht so sein wie dein Sprechen während der Woche“7, denn das Universum wurde durch Sprechen erschaffen,8 und das Sprechen des Heiligen, gesegnet sei Er, ist gleichbedeutend mit einer Handlung.9

Dies ist im Sinne der strengen Vorschriften. In Texten, die sich mit dem Streben nach Frömmigkeit befassen, d. h., mit einem Verhalten, das über die Anforderungen der Vorschriften hinausgeht, heißt es, dass sogar das Nachsinnen über weltliche Dinge am Schabbat verboten ist.10 Denn Oben gab es auch eine Pause vom Nachsinnen, denn auch der G-ttliche Gedanke hat eine Wirkung.11 Der einzige Unterschied ist, dass die Himmlische Rede die manifeste Welt hervorgebracht hat, während der Himmlische Gedanke die verborgene Welt hervorgebracht hat.12

Dies alles gilt in Bezug auf den Schabbat. Anders verhält es sich jedoch mit Jom Tow, einem Festtag. Auch am Jom Tow ist Arbeit an sich verboten, aber für die Zubereitung von Speisen ist sie erlaubt.13 Denn am Jom Tow soll es auch körperliche Dinge geben, und man soll Heiligkeit in die materiellen Bedürfnisse einfließen lassen: in die Speisen und in die weltlichen Tätigkeiten (zur Zubereitung der Speisen).

In Bezug auf Schabbat heißt es: „Sie sollen am sechsten Tag vorbereiten.“14 Denn der Schabbat ist jenseits von Vochedigkeit (des Profanen). Der Jom Tow hingegen wird als Mikra Kodesch bezeichnet.15 Der Begriff Mikra hat, wie der Sohar interpretiert,16 die Bedeutung eines Aufrufs, der Kodesch (Heiligkeit) in das Profane hineinruft und das Profane ins Heilige erhebt. So „kann es keine Freude geben, außer mit Fleisch ... und es kann keine Freude geben, außer mit Wein“17, was nach dem Urteil des Alten Rebben in seinem Schulchan Aruch18 auch heute noch eine biblische Verpflichtung ist. Denn da der Jom Tow Mikra Kodesch – die Heiligung des Profanen – bedeutet, ist er mit materiellen Substanzen, mit Fleisch und Wein verbunden.

Die Heilige Schrift spricht daher vom „Mist eurer Feste“19 und nicht vom „Mist eurer Schabbatot“20, denn der Schabbat geht völlig über die Körperlichkeit hinaus. Die physischen Aspekte des Schabbat werden veredelt. Sie verlieren ihren materiellen Aspekt und haben daher keinen Mist.21 Am Jom Tow ist es jedoch die Aufgabe des Menschen, das Profane in Heiliges zu verwandeln. Wenn diese Awoda scheitert, gibt es also den „Mist eurer Feste.“

Das ist also die Bedeutung der Lehre des Alten Rebben, dass „Du sollst das Fest Schawuot machen“ bedeutet, Vochedigkeit (das Profane) in Jom Tow zu verwandeln. Denn der ganze Zweck der Tora ist es, das Profane zu heiligen.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten an Schawuot 5715)