Unterschätzt du dich selbst? Wenn man dir sagen würde, dass du das Potenzial hast, rechtschaffen zu sein, würdest du dann antworten: „Ich? Unmöglich!“

Aber es ist nicht unmöglich; im Begriff "Impossible" ("unmöglich") ist bereits enthalten: „I’m possible“ ("ich bin möglich").

Es mangelt an rechtschaffenen Menschen. Das ist ein ernstes Problem, da sie so gefragt sind. Vielleicht könntest du einer davon sein.

Versteh mich nicht falsch, wahrscheinlich bist du noch nicht so weit. Das verstehe ich. Aber eines ist sicher: Du hast großes Potenzial. Sicher, wir alle haben Schwächen, aber sie sind dazu da, überwunden zu werden. Rechtschaffene Menschen sind nicht von Anfang an so. Sie sind weder perfekt noch allesamt Überflieger; sie sind ganz normale Menschen, die entschlossen sind, sich über ihre Lebensumstände zu erheben. Wenn sie das tun, können außergewöhnliche Dinge geschehen.

Niemand weiß von Anfang an, wozu er fähig ist. Das Leben wird dir einen unerwarteten Schlag versetzen, und dann stehst du vor einem Wendepunkt. Es wird eine Veränderung eintreten, und deine Vorgehensweise wird nicht mehr tragbar sein. „Immer dasselbe“ wird dich oder dein Leben nicht mehr beschreiben.

Wir lassen uns von den Frauen im Wochenabschnitt der Tora inspirieren. „Dank der Verdienste der rechtschaffenen Frauen jener Generation wurde das jüdische Volk aus Ägypten befreit.“1

Wer waren diese rechtschaffenen Frauen? Es waren unterdrückte Sklavinnen, die sich über seelenzerstörende Umstände hinwegsetzten, um das zu führen, was getan werden musste. Worin bestand ihr Verdienst? Sie leiteten die Befreiung aus Ägypten ein – durch ihren Glauben und ihr Engagement, eine jüdische Zukunft zu sichern. Die Frauen jener Zeit überwanden große Hindernisse, um ihren Überzeugungen Taten folgen zu lassen. Von körperlichen und seelischen Qualen überwältigt, machten sie sich mutig auf zu einer Mission – dem Aufbau des jüdischen Volkes.

Das Überleben der Juden in Ägypten schien unmöglich. Die Männer waren erschöpft und verzweifelt. Wie hätten sie in Betracht ziehen können, Nachkommen in ein Leben brutaler Versklavung zu bringen? Doch unerschütterlich machten sich die Frauen auf, um ihre Ehemänner auf den Feldern zu suchen. Die Männer waren gebrochen, doch ihre Frauen versorgten sie mit Nahrung und machten ihnen Mut.

Die Frauen hatten polierte Kupferplatten, die sie als Spiegel benutzten. Der Midrasch berichtet, dass jede Frau einen Spiegel in der Hand hielt, um sich selbst und das Spiegelbild ihres Mannes zu sehen. Sie sagte dann scherzhaft: „Ich bin schöner als du.“ Diese entschlossenen Frauen setzten sich dafür ein, den Fortbestand des jüdischen Volkes für kommende Generationen zu sichern.

Sie achteten darauf, für ihre Ehemänner und für ihr eigenes seelisches Wohlbefinden begehrenswert und attraktiv zu wirken. Damit dies nicht als Eitelkeit oder Eigennutz missverstanden wird: Diese Kupferspiegel dienten einem erhabenen, gottgeweihten Zweck. Im Buch Exodus (38:8) wird berichtet, dass das Kupferwaschbecken (kiyor) im Stiftszelt aus den von den Frauen gespendeten Spiegeln gefertigt wurde. Tatsächlich waren die Spiegel die einzigen Materialien, die für das Waschbecken verwendet werden durften, das von den Priestern (kohanim) genutzt wurde.

Im Gegensatz zu den anderen Bestandteilen des Stiftszeltes gab es für das Waschbecken keine festgelegten Maße oder Abmessungen. Kein Spiegel musste zurückgewiesen werden. Dies verdeutlicht, wie geheiligt diese Spiegel für G-tt und das Volk Israel waren.

Darüber hinaus heißt es in der Tora, dass die Frauen, als sie das Wunder der Teilung des Meeres erlebten, sangen und mit Tamburinen tanzten, um G-tt zu preisen. Woher hatten sie diese Tamburine? Raschi2 erklärt, dass die jüdischen Frauen selbst in den dunkelsten Zeiten des Leidens volles Vertrauen darauf hatten, dass G-tt sie retten würde. Sie waren so bereit für die Erlösung, dass sie ihre Musikinstrumente tatsächlich schon in Ägypten anfertigten und bei ihrer Flucht mitnahmen. Die Tamburine waren Symbole der Hoffnung und des Glaubens an die bevorstehende Erlösung. Das war die Stärke der Frauen, die Ägypten verließen.

Es ist unwahrscheinlich, dass wir jemals eine Versklavung erleben werden, wie sie unsere Vorfahren in Ägypten bestehen mussten. Was können du und ich also aus ihren Erfahrungen lernen? Wir können uns stärker bewusst machen, wie wichtig Widerstandsfähigkeit und Ausdauer in unserem Leben sind. Ebenso entstehen Glaube und Mut nicht plötzlich; sie müssen im Laufe der Zeit entwickelt werden. Du wirst sie in großem Maße benötigen, wenn du persönliche Krisen durchlebst.

Gerechtes Handeln ist nicht auf eine bestimmte Person beschränkt; potenziell gerechte Menschen gibt es in jeder Kultur. In unserer globalisierten Gesellschaft ist Gerechtigkeit facettenreich und drückt sich auf vielfältige Weise aus. Die Gerechten sind jedoch offen für andere und helfen dir, das Gute in dir selbst zu entdecken. Sie denken über den Moment hinaus und haben eine Vision von einer besseren Zukunft. Die Gerechten zeigen uns, wie wir mehr von dem werden können, was wir wirklich sein können.

Kommen wir nun zurück zu dir und mir. Wie kannst du im gegenwärtigen Moment erahnen, wer du einmal werden könntest? Du wirst nicht nur gebraucht; du bist unverzichtbar. Jeder von uns spielt eine zentrale Rolle in einem sich entfaltenden Prozess – eine Rolle, die bedeutender ist, als wir vielleicht ahnen.

Unsere Welt braucht mehr rechtschaffene Menschen und zumindest mehr rechtschaffene Taten. Wie ein globaler „Dominoeffekt“ können sie die Herzen und Seelen von vielen Menschen beflügeln und entfachen. Einer nach dem anderen werden wir alle positiv beeinflusst. Gemeinsam können wir eine bessere Welt schaffen, die die Einheit und Güte widerspiegelt, nach der wir uns alle sehnen.

Relevanz schaffen

  1. Welche rechtschaffenen Charaktereigenschaften möchtest du entwickeln?
  2. Formuliere einen realistischen Plan, der dir hilft, deine spirituellen Ziele und Ziele zur Charakterbildung zu erreichen. Fange an und setze ihn täglich um.
  3. Erkenne, dass Charakterwachstum ein schrittweiser, fortlaufender Prozess ist. Wenn du hinfällst, steh wieder auf und kehre auf den richtigen Weg zurück.